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| Ina Zeuch: "Fannvisit" |
Die psychiatrische Abteilung des Hospital Fann beherbergt einen kleinen Werkraum für Kunsttherapie, der seit 1999 von Professor Allassane Seck geleitet wird. Er hat sowohl Kunst an der Ecole des Beaux Arts in Dakar studiert als auch eine Ausbildung zur Kunsttherapie in der Psychiatrie Saint Anne in Paris absolviert. Als er einmal einen Freund im Hospital Fann besuchte, stellte er fest, dass die Mauern des Krankenhausgeländes voller Graffitis und Tags war, die ihn vom kreativen Potential der psychisch Kranken überzeugte.
Das brachte ihn dazu, sein erstes Projekt mit Psychiatriepatienten durchzuführen. Dort hörte er von ausländischen, teils aus Europa stammenden Praktikanten, die ein Atelier für künstlerische Kreativiät initiiert hatten, aber mit deren Rückkehr in ihre Heimatländer waren diese Aktivitäten eingeschlafen. Es lag nahe, Professor Seck zu fragen, ob er diese Initiative wiederbeleben wollte. 2005 ging er abermals für 2 Jahre ins Ausland, um sich weiter fortzubilden, diesmal in Gugging / Österreich, einer berühmten Residenz für psychsich kranke Künstler, die bereits auf internationalen Kunstmärkten ausstellen.
| Ein Blick ins Atelier d'Expression |
Das Atelier d'Expression im hinteren Teil der psychiatrischen Abteilung ist ein kleiner vollgestopfter Raum, der vor kreativer Aktivität nur so strotzt. Die Patienten, die das Atelier aufsuchen, kommen freiwillig. Drei Mal in der Woche von 10 bis 12 Uhr und nachmittags von 16 bis 18 Uhr gibt es die Möglichkeit, dort betreut und angeleitet zu malen, zu plastizieren oder einfach nur da zu sein. Neben Professor Seck betreut auch der freischaffende Künstler Abdoulaye Armin Kane die Patienten dort - ehrenamtlich. So wie es überhaupt viel Unterstützung von außerhalb der Klinik gibt.
Denn das einmal jährlich ausgezahlte Budget der Klinikleitung für das Atelier reicht bei weitem nicht aus - weder für das Material noch für die vielfältigen Aktivitäten, die das Atelier über die Grenzen des Hospitals bekannt machen sollen. Dazu gehört seit 2002 zum Beipiel die Beteiligung an der Off-Biennale Dakar, dem nicht offiziellen, aber ungefähr genauso spannenden Teil der Biennale, deren Ausstellungsorte während des einmonatigen Kunstevents im Mai/Juni über die ganze Stadt verteilt sind. Auch an anderen an Ausstellungen im Senegal nimmt das Atelier d'Expressions regelmäßig teil.
Eine ganze Reihe bekannter Künstler haben eine Zeit in der Psychiatrie des Hopitals Fann verbracht, vor allem Rapper, denn Dakar ist eine Hochburg des RAP. Zusammen mit anderen ehemaligen Patienten haben sie 2008 das RESCAP'ART gegründet, eine Assoziation zur Unterstützung aller Aktivitäten des Ateliers - ob nun durch Materialspenden, ehrenamtliche Arbeit oder direkte finanzielle Unterstützung (Reseau Elargi pour une Solidarité Cutlurelle Agissante Par l'Art ).
| Typische Szene eines 'lutte sénégalise', dem senegalesischen Ringersport |
Die Stimmung im Atelier ist locker: Patienten kommen und fangen ein Bild zu malen an oder führen bereits angefangene Werke fort. Einige sind sehr konzentriert, andere kommen, um zu reden. Ein ehemaliger Patient kocht den berühmten senegalesischen Tee, der lange aufgekocht und dann von einem Gläschen in ein anderes hin-und hergeschüttet wird bis eine Schaumkrone entsteht. Getrunken wird er stark gesüßt und schwarz wie Kaffee. Liebevoll reicht er den Tee reihum an jeden der Anwesenden. Er selbst war ebenfalls einmal Rapper, aber er hat den "Pfad der Härte" verlassen und komponiert jetzt Chansons zu akkustischer Gitarre.
Aus dem Laptop von Professor Seck erklingt RAP, und ein gerade veröffentlichter Videoclip läuft dazu. Er erzählt mir, dass er immer wieder Kontakt zu Ehemaligen hat und wie sehr diese ihren Aufenthalt in der Psychiatrie schätzen. Einige halten diese Zeit für die wichtigste ihres Lebens und wie man von einigen Lebensläufen bekannter Künstler weiß, führen Krisen oft zu einer Lebenswende hin zu einem künstlerischen Werdegang.
Professor Seck spricht weniger, als dass er zuhört. Unaufdringlich assistiert er bei der Materialsuche oder stellt Fragen zu Bildmotiven, wenn das Malen ins Stocken gerät. Die Patienten fühlen sich wohl bei ihm. Durch seine professionelle Haltung hindurch spürt man, dass er diesen Beruf gewählt hat, weil es ihm um die Menschen geht. Einige der Patienten kommen aus anderen afrikanischen Ländern. Psychotherapie ist auf dem ganzen Kontinent selten, und die Not ist groß. Wer kann, nimmt weite Reisen auf sich, wenn er von Spezialisten erfährt, von denen man sich Heilung erhofft. Trotzdem wissen viele im Senegal - vor allem psychisch Kranke und ihre Angehörigen - wenig oder gar nichts von den vorhandenen therapeutischen Möglichkeiten. Oft werden die ohnehin verstörten Menschen still und leise aus den familiären Kreisen ausgeschlossen. Und ihre Scham unterstützt diesen Prozess der Exklusion noch - bis sie auf der Straße landen.
Einige der Kranken trifft man in den besten Geschäftsvierteln der Stadt an - oder wie es hier lapidar heißt "en ville"- wo sie noch nicht einmal betteln. Sie liegen ausgestreckt auf dem Bürgersteig, entrückt und fast nackt oder laufen manisch und in Selbstgesprächen gefangen herum. Keiner verfolgt sie und sie werden nicht - wie bei uns - automstisch eingewiesen. Denn eine Versorgung von psychisch Kranken muss privat finanziert werden. Angehörige, die dies tatsächlich auf sich nehmen, tragen hohe Kosten. Wer das tut, dem muss der Kranke wirklich sehr am Herzen liegen. Adama, den ich beim Ausgang zusammen mit seinem Bruder treffe, ist ein solcher Angehöriger. Sein Bruder ist seit 10 Jahren hier in der Psychiatrie von Fann. Die Ausgaben dafür sind erheblich, aber wie er mir sagt, er kann seinen jüngeren Bruder nicht aufgeben. "Ich werde ihn niemals alleine lassen".
| Blick ins Atelier d'Expression |
Alle nicht gekennzeichneten Bilder sind von Patienten der Psychiatrie des Hopital Fann.



oh c'est tout à fait naturel et original
AntwortenLöschenfruit de l'esprit!
... il y a de gens qui ont des dons et qui manquent comment les extérioriser et d'autres qui ont des moyens mais qui ne font rien, alors quand on voit des hommes qui se donne corps et âme pour aider ces humains en plein difficulté sur le plan psychique et qui accouchent leur pensés sous forme d'oeuvre d'art, il est important et encourageant de soutenir ce blog qui ne fait dire tout haut ce que l'artiste dit tout bas!...ces ouvres sont fruits d'un esprit passionné...
AntwortenLöschenMerci pour cette notation professionel. Ca me donne l'encouragement pour continuer mon travail par mon art et ma solidarité pour les gens fragils: nous sommes tous fragils!
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