Sonntag, 29. Juni 2014

Schwarz ist keine Farbe - John Akomfrah (2)

Ausschnitt aus dem Video "Peripeteia" von John Akomfrah
John Akomfrah (geb. 1957 Ghana/Großbritannien) wurde auf der Biennale von Dakar so prominent wie kein zweiter Künstler vorgestellt. "Peripeteia" heißt sein Beitrag, der auf einer eigens für ihn gemauerten, halbrondellartigen Leinwand gezeigt wurde. Über zehn Meter Länge und einer Höhe von über zwei Metern hätte diese Präsentation einer Leinwand im kinoverliebten Indien alle Ehre gemacht. Aber was man zu sehen bekommt, unterläuft natürlich alle actionmäßigen Kinoerwartungen, weil es sich hier um Kunst handelt. Statt dessen entfaltet sich die unwirtliche Schönheit einer nordischen Landschaft in Panoramaufnahmen von epischer Breite, die das Format durchaus zu füllen vermögen.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Schwarz ist keine Farbe - Justine Gaga (1)

Justine Gaga, (geb.1974, Kamerun) wurde im Village de la Biennale, dem internationalen Teil  der 11. Biennale der Dak'art 2014 mit ihrer Installation "Indignition" prominent ausgestellt. Diese Ehre wurde nicht allen KünstlerInnen zuteil. Als "antropomorhe Gaskanister" werden ihre metallisch bunten Stelen aus Gaskartuschen im Biennale-Katalog beschrieben. Sie greifen damit auf einen in afrikanischen Haushalten üblichen Gebrauchsgegenstand zurück und stellen ihn hochpolitischen Schlagworten entgegen: Liberalismus, Nepotismus, Rassismus, Sexismus, Wahlen, Gewalt, Kapitalismus... Jeder dieser Begriffe wird so zum hochexplosiven Stoff. Die Oberfläche der Säulen, die ebenfalls aus dem Material der Gasflaschen besteht, reflektiert ein schillerndes, aber falschfarbiges, verzerrtes Spiegelbild, was die Aussage einer Welt aus den Fugen zusätzlich unterstützt. 

Justine Gaga mit ihrer Installation "Indignition" auf der 11. Biennale Dak'art 2014

Dienstag, 3. Juni 2014

Biennale ON: Street-Art Projekt in Dakar

am Schwimmbad Olympic
Zurück aus Dakar mit viel Street-Art im Gepäck. Hier ein paar der Queen-Kongs, die ich mit der Hilfe von Ndiaga Ndiaye als meinen Assistenten an 6 verschiedenen Orten in Dakar realisieren konnte. Wichtig war, diese noch in der laufenden Biennale der 11. Dak'Art 2014, die jetzt am 8. Juni zu Ende geht, fertig zu stellen und die Flaneure der Off-Biennale, vor allem auch den Passanten dieses bauwütigen Molochs Dakar damit zu überraschen. Wer ist In und wer ist Off? Ganz zum Schluss erst fiel uns eine neue 'Domain' ein, die das alles hinter sich läßt: Biennale ON!

Eine Besprechung zur In- wie der Off-Biennale mit vielen Fotos gibt es von mir auf epo (entwicklungsploitik online) zu lesen.


Samstag, 19. April 2014

"Being different" - mein Ausstellungsprojekt in Dakar

Ina Zeuch: Queen-Kong Schablone
Lange geprobt, vielfach schabloniert und ausprobiert - jetzt ist es so weit: die Motive für die Wände im urbanen Raum von Dakar sind reisefertig. Am 9. Mai findet die Kunstbiennale Dak'ART  zum 11. Mal in der senegalesischen Metropole statt. Und anders als in hiesigen Kunstevents mit Exklusivcharakter nimmt DAK'ART auch die Off-Events in ihrem Programm auf, in dem über 40 Ausstellungen, Performances und Installationen über die Stadt verteilt sind. Sie bieten vielen heimischen zusammen mit internationalen KünstlerInnen ein Forum, an zumeist ungewöhnlichen Orten ihre Werke zu zeigen und vom Hauptereignis der Biennale zu profitieren.

Sonntag, 23. März 2014

"Bombay Talkies" - 100 Jahre indisches Kino

Avinash, ein junger Mann Anfang zwanzig, stürmt in sein Elternhaus, reißt seinen Vater aus dem Mittagsschlaf und presst ihn brutal gegen die Wand. "Ich bin schwul", schreit er und lässt eine erbitterte Anklage gegen ihn los. Sein Vater, als Professor, sozial in der wachsenden Mittelschicht Indiens angesiedelt, hatte ihn in erbärmlicher "Du-bist-nicht-mehr-mein Sohn"- Attitüde als Eunuchen beschimpft und vor einiger Zeit aus dem Haus geworfen. Ebenso plötzlich lässt der Sohn von ihm ab, die Kamera ganz auf sein junges, wutverzerrtes Gesicht konzentriert, in dem kurz ein hilflos ironisches Grinsen aufflackert, das tiefe Resignation zeigt: welch sinnloser Versuch, seinen Vater noch einmal mit seiner Homosexualität zu konfrontieren. So beginnt der erste der vier Kurzfilme, die unter dem Titel "Bombay Talkies" dem indischen Kino gewidmet sind, das 2013 seinen 100. Geburtstag feierte.

Donnerstag, 14. November 2013

Alice in der Hölle: der zweite Roman von Mohmamed Hanif

"Our Lady of Alice Bhatti" heißt der zweite Roman des pakistanischen Journalisten und Schriftstellers Mohammed Hanif. Auch hier werden - wie in seinem Debütroman "A Case of Exploding Mangoes" - die gesellschaftlichen Verhältnisse seines Landes beschrieben. Die Heldin des neuen Plots ist Alice Bhatti - sie  stammt aus dem berüchtigten Viertel French Colony in Karachi, einer Community von Straßenkehrern, einer der untersten gesellschaftlichen Klasse. Damit noch nicht genug, gehören sie außerdem zur Minderheit von katholischen Christen, die, wie Supriya Nair in ihrer Besprechung zu Hanifs Roman schreibt, im überwiegend muslimischen Pakistan wie Kastenlose in Indien behandelt werden.

Staßenfeger in Bombay, Foto: Hitesh Ashar(wikimedia)

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Ist politische Kunst möglich? (7) Ohnmacht, Terror, Langeweile - Teil 2

"Revolutie und Polizey" heißt der zweite Teil der Ausstellung von "Ohnmacht als Situation" im Frankfurter Kunstverein. Viel unspektakulärer und mit schwerer Schlagseite ins elitär Intellektuelle geht hier das zweite Künstlerduo Mona Vatamanu aus Bukarest und Florin Tudor aus der Schweiz vor. (Erster Teil dieses Beitrags hier.) Empfangen wird man mit einem Walter Benjamin-Zitat, das hier unnötigerweise auf Englisch und wie beiläufig mit Bleistift an die Wand gekritzelt ist,  in dem es heißt, dass man die revolutionäre Energie nicht einfach in die Jugend einspeisen könne wie Elektrizität in eine Batterie. Darunter steht auf dem Treppenabsatz eine Batterie mit Glühbirne. Man fragt sich, ob es wirklich notwendig ist, ein Sprachbild in eine solche Mini-Installation - sozusagen in hardware - umzusetzen.
Mona Vatamanu / Florin Tudor: "Riots"