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Sonntag, 29. Dezember 2024

Kunstszene Kairo (3): Amr Al Ngmah in der Mashrabia Art Gallery

 

"Video Games Nostalgia" heisst die letzte Ausstellung der Mashrabia Art Gallery  mit dem jemenitischen Künstler Amr Al Ngmah. Seine Kunst stellt eine interessante Verschmelzung von traditioneller osmanischer Miniaturmalerei mit der poppigen Bildwelt von Videospielen der ersten Generation dar. 

Samstag, 15. Oktober 2022

False Clouds - eine Ausstellung zeitgnössischer Kunst in Sarajevo

Mitten in das bosnische Nationalmuseum von Sarajevo - der Hauptstadt von Bosnien und Herzegovina - eingebettet, zeigen 20 Künstler:innen zeigenössische Kunst. Unter dem Titel False Clouds werden unterschiedliche Auffassungen giftiger Wolken gezeigt, angefangen von den Explosionen im Jugoslawienkrieg von 1992 bis 1995 bis hin zur Erderwärmung und dazu entstehenden Bränden.

 Enes Žuljević: "The Clouds of Mostar"

Freitag, 28. Februar 2020

Kunstszene Shanghai (3): Do you Copy

"Do You Copy" - absichtlich ohne Fragezeichen - so hieß die ambitionierte Gruppenausstellung im MoCA Museum of Contemporary Art, die bis 5. Januar 2020 zu sehen war.  An ihr nahmen 14 KünstlerInnen, zwei Künstlerteams und das Fashion Department der School of Design der East China Normal University mit Sitz in Shanghai teil und warb mit einem Plakat, auf dem ein prächtiges Blumenbouquet in den Weltraum schwebt.
Ausstellungsplakat
Do You Copy sollte laut dem Intro auf der Webseite des MoCA von den Ausstellungsbesuchern selbst beantwortet werden: "Do You Copy? If you did, please answer!" und wurde mit einer weiteren Frage verknüpft: "Do you come from Heaven or rise from the Abyss?"

Sonntag, 7. April 2019

Global loser - zwei Beiträge auf der Videonale 17 in Bonn

Unter dem Titel "VIDEONALE.17 - REFRACTED REALITIES" lief die 17. Videonale im Bonner Kunstmuseum an und ist noch bis 14. April zu sehen. Sie greift damit das allgegenwärtige Thema der Medialisierung unserer Alltagswelt auf, je nachdem, in welchem Ausmaß wir sie zulassen oder uns überhaupt noch gegen sie entscheiden können.

Ähnlich wie der Einzug des Fernsehens in den Mainstream - hier in einer Arbeit des Pioniers von Nam June Paik - als neuer Bildlieferant in der Kunst der 1970er Jahre reflektiert wurde und sich daran abgearbeitet hat, so kann die zeitgenössische Kunst - schon gar nicht die Videokunst - die Medialisierung der heutigen Zeit ignorieren. Eindrücke aktueller Videokunst zu diesem Thema zeigt die 17.Videonale in 29 Beiträgen.
Erwartbar sind daher die Werke, die  youtube-Fetzen, Werbespots, Doku-TVs und Computerprogramme zur Effizienz und Kontrolle unserer Lebenswelten aufgreifen. So hat auch Sohrab Hura mit einer ebensolchen Arbeit den Videonale Preis 2019 gewonnen. In seiner Arbeit "The lost Head and the Bird" komponiert er im split screen youtube-Fetzen, Bilder aus B-Movies des indischen Fernsehens u.ä. Material, aus der sich schwerlich eine Geschichte generieren lässt, auch  wenn Titel und Text zu seiner Arbeit das vorzugeben scheinen und macht somit dem Thema der Videonale von einer vielfach gebrochenen, nicht mehr lesbaren Bruchstückrealität alle Ehre.
Videostill aus "The lost Head and the Bird" von Sohrab Hura

Samstag, 16. Juni 2018

"Zur Nachahmung empfohlen" - eine Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit in Bonn

Ein menschenleeres MacDonald's Restaurant irgendwo in den USA: An der Wand hängt ein Bild vom Arbeiter des Monats, auf den Tischen Essensreste, die Kaffeemaschine blubbert und die Rührer der Saftmaschinen bewegen sich träge durch die beiden knallbunten Flüssigkeiten in trüb gewordenen Glasbehältern.

Rasmus Nielsen, Björnsterne Christiansen, Jakob Fenge: "Flooded McDaonld's"
Klar, denkt man wenig überrascht - hier geht es um den überbordenden Verpackungsmüll, Djunkfood und dem knallharten Kapitalismus der Fastfoodkette. Unter dem Titel "Zur Nachahmung empfohlen" gastiert die Wanderausstellung mit diesem Beitrag zur Zeit in Bonn.

Samstag, 16. Dezember 2017

Ist politische Kunst möglich? (8) "Tuko Macho" - atemberaubende Videokunst aus Kenya

"Tuko Macho" verhandelt in 12 kleinen Videos, von denen jedes zwischen zwei Werbeblöcken Platz hat, einen Wahlbetrug in großem Stil und darüber hinaus einfach alles, was dem Künstlerkollektiv The Nest Collective an der kenianischen Gesellschaft  zum Himmel stinkt. Die Wahlen in Kenia 2007 waren vom Vorwurf der Wahlmanipulation überschattet und führten zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen mit Hunderten von Toten und gingen als traumatisches Ereignis ins kollektive Gedächtnis Kenias ein. Wahlmanipulation scheint in diesem Land offensichtlich bei jeder Wahl als Generalverdacht mitzuschwingen und bildet eines der Motive für Tuko Macho. 2017 wurde dieser Verdacht sogar vom Obersten Gerichtshof in Kenia bestätigt, woraufhin die Präsidentschaftswahlen wiederholt werden mussten.
Filmstill aus "Tuko Macho"

Freitag, 27. Mai 2016

Als Migrant überleben in Athen: Eine Ausstellung in Marseille

Simon aus Bangladesch wird im Juli 2012 von drei schwarzgekleideten Motorradfahrern mit dem Ausruf "schwarzer Pakistani" krankenhausreif geschlagen. Die Ärzte im Hospital machen nur die Unfallversorgung, alles andere lehnen sie ab, weil er keine Papiere hat. 6 Monate danach trägt er immer noch einen Gipsverband und kann nicht arbeiten. Seitdem hat er Angst, nach draußen zu gehen und bleibt deshalb überwiegend zu Hause. Allenfalls besucht er manchmal ein Restaurant seiner Landsleute in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. 
Vidoestill aus "Moughtareb" von Stephanos Mangriotis
Das ist nur eine der Geschichten von Migranten, die als Fotodokumentation im Kino CineMetroArt im Mai in Marseille zu sehen war -  Geschichten, die zu eingeschränkter Bewegungsfreiheit, Jobverlust und öder Langweile führen, weil man nicht dazugehört und nirgendwo wirklich hingehen kann. Sicherheitshalber bleibt man lieber in seinem eigenen Ghetto wie Simon, wo man diejenigen trifft, denen es auch nicht besser geht. 

Samstag, 2. Januar 2016

Manipulationen des Körperlichen - eine Ausstellung im Frankfurter Kunstverein

Schon immer wurde mit und am menschlichen Körper gearbeitet, nicht nur in der Medizin, aber vor allem dort. Das Sezieren von Leichen war eine Zäsur im Verständnis des körperlichen Innenlebens - allerdings erst, als das scholastische Denken des Mittelalters überwunden war und an dessen Stelle  empirisch-experimentell geforscht werden konnte. Eine ähnliche Zäsur setzt heute das digitale Zeitalter, die die medizinische Forschung mit ihren bildgebenden Mitteln enorm voran getrieben hat. Diese Entwicklung künstlerisch zu verarbeiten, die ja selbst von der Digitalisierung profitiert und sich dadurch formal wie inhaltlich verändert hat, war nun dem Kunstverein Frankfurt eine Ausstellung unter dem Titel "Körper–Ich: Körper im Zeitalter digitaler Technologien" wert, die noch bis zum 10. Januar 2016 zu sehen ist.
Videostill aus: "Da Vinci"von Yuri Ancarani
Vor allem Unbehagen ist der Tenor der meisten Arbeiten der Künstler, die hier kuratiert wurden. Manipulation und Unterwerfung unter eine Maschinenwelt, die unsere Erfinderintelligenz in sich trägt, aber uns nun verselbstständigt gegenüber tritt, scheint der neue Frankenstein-Virus zu sein.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Einfach Kunst: "British Art" in der Stiftung Biedermann

"British Art" zeigt die Stiftung Biedermann in Donaueschingen noch bis zum 20. September in den sehr schönen, umgebauten Räumen eines klassizistischen Gebäudes. Eine ganze Künstlergeneration der 1990er kam unter dem Label Young Britsh Artists (YBA) zu Ruhm, die das Bild zu zeitgenössischer britischer Kunst besetzt: Tracy Emin's ungemachtes Bett, benutzte Kondome und blutverschmierte Unterwäsche - abgefeiert als weibliche Identitässuche und prämiert mit dem renommierten Turner-Prize von 1999 - oder Damian Hirst's in Formaldehyd eingelegte Tierkadaver, um nur die krassesten Beispiele zu nennen. Und aktuell zeigt man im britischen Pavillon der Biennale von Venedig Sarah Lucas' platte Penisplastik in bonbongelb, ebenfalls eine Künstlerin der nicht mehr ganz so jungen YBA. 
Kenny Hunter: "Like Water in Water"

Montag, 8. Dezember 2014

Elend in Pink - Kriegsbilder aus dem Kongo als 'ekstatische Wahrheit'

Man stelle sich einmal vor, ein afrikanischer Videokünstler wäre in den Bürgerkrieg Jugoslawiens gezogen, um dort viel aus fahrenden Autos heraus wirres Kriegsgeschehen, Tote und  verzweifelte Menschen in überfüllten Flüchtlingscamps oder Massengräber und sterbende Kinder abzufilmen. Und er hätte diese Szenarien in Infrarot gefilmt und die Vegetation wäre nicht mehr grün, sondern pink und damit neben allem Elend auch ein prächtiger Farbstreifen, eben Kunst. Und damit wäre er dann auf eine der renommiertesten Biennalen Afrikas eingeladen worden und hätte nach dieser Schau obendrauf von einem großen Finanzdienstleister einen Fotopreis erhalten. Das wäre dann das Europabild der Afrikaner oder zumindest ihrer Eliten, eben jenen, die solche Biennalen in Afrika besuchen.
Foto von Richard Mosse aus der Ausstellung "The Enclave"

Sonntag, 5. Oktober 2014

"Produire le commun" 3 Künstler der Off-Biennale Dak'Art

Gemeinsamkeit schaffen: Unter diesem Motto stellte sich die 11. Biennale in Dakar. Darunter verstand sie nicht nur die Gemeinsamkeit zwischen in Afrika wie in Europa und den USA lebenden Künstlern, sondern bezog auch immer schon die Künstler mit ein, die nie in Afrika gelebt haben, sondern als 2. Generation von Migranten im Westen sozialisiert und verwurzelt sind. In dieser Biennale wurden auch nicht-afrikanische Künstler eingeladen. Aber vor allem bezieht sie auch diejenigen mit ein, die sich in der Off-Biennale präsentieren. Sie werden dabei ebenso medial beworben wie die internationale Crew der In-Biennale. Gemeinschaft oder wie es hier heißen würde 'Inklusion', was hier so mühsam erlernt werden muss, da uns der Solidaritätsgedanke irgendwie abhanden gekommen ist - das ist hier auch in der Kunstszene gelebte Realität.

Peterson Kamwathi (3)


Peterson Kamwathi: ohne Titel (Videostill)
Peterson Kamwathi (Kenia, geb.1980) stellte bei der Off-Biennale von Saint Louis, einem Ableger der Dak'Art, einen kurzen Animationsfilm und serielle Scherenschnitte vor. Mit dem romantischen Titel "Le Fleuve en couleurs" (Fluss in Farben), wie sich die Off-Binnale hier nannte und zeitgleich zur Biennale von Dakar lief, haben seine Arbeiten nichts zu tun.

Freitag, 5. September 2014

Schwarz ist keine Farbe - Wangechi Mutu (6)

Ähnlich wie Künstlerinnen es ablehnen, dass sie weibliche Kunst, also so etwas wie 'Frauenkunst' produzieren, lehnen viele afrikanische KünstlerInnen es ab, explizit 'afrikanisch' zu sein - auch um der postkolonialen Zuordnung sowie dem romantisch verbrämten, positiven Rassismus einer vermeintlich ursprünglicheren oder gar animistischen Kunst zu entgehen. Dies ist eine Serie zu Werken von Künstlern mit afrikanischen Wurzeln, die teils in Afrika, zu einem großen Teil aber auch in Europa und den USA arbeiten oder der Diaspora angehören. Ich stelle hier zunächst KünstlerInnen vor, die ich auf der Dak'Art Biennale von 2014 kennenlernte und deren Werke ich vor Ort fotografiert habe. Eine Besprechung der In- wie der Off-Biennale (2) wurde auf epo (Entwicklungspolitik online) veröffentlicht.
Videostill aus "The End of eating Everything" von Wangechi Mutu
Wangechi Mutu (1972, Kenia/USA) ist in den USA längst keine Unbekannte mehr. Ihre museale Präsenz dort ist überwältigend und die Preise für ihre Arbeiten steigen ständig. In Deutschland wurde ihr Werk erst kürzlich als Künstlerin des Jahres 2013 von der Deutschen Bank Berlin gekürt und mit einer Einzelausstellung im Museum Deutsche Guggenheim Berlin prominent in Szene gesetzt.

Samstag, 2. August 2014

Schwarz ist keine Farbe - Jeannette Ehlers (4)

Filmstill aus dem Video "Black Bullets" von Jeannette Ehlers
Jeannette Ehlers (geb.1973) zeigte auf der Dak'art ihr Video "Black Bullets", das bereits in Montreal in der Galerie Parisian Loundry im März 2013 vorgestellt worden war.
Aufgewachsen in Dänemark und dort ausgebildet hat Jeanette Ehlers - vermutlich über ihre mütterliche Herkunft - auch Wurzeln in Surinam. Wie die große Mehrheit der Diaspora-Künstlergemeinde spielt ihre farbige Haut eine große Rolle in ihrer Kunst. Und wie immer führt uns dies - leider allzu vorhersehbar - zu den Orten der Sklavenverschiffung. In ihrer Arbeit "Atlantic (Gate Of No Return)" von 2009 rekuriert sie auf Ghana's Goldküste, wo die Sklaven gesammelt und nach Europa und in die USA verschifft wurden.

Sonntag, 29. Juni 2014

Schwarz ist keine Farbe - John Akomfrah (2)

Ausschnitt aus dem Video "Peripeteia" von John Akomfrah
John Akomfrah (geb. 1957 Ghana/Großbritannien) wurde auf der Biennale von Dakar so prominent wie kein zweiter Künstler vorgestellt. "Peripeteia" heißt sein Beitrag, der auf einer eigens für ihn gemauerten, halbrondellartigen Leinwand gezeigt wurde. Über zehn Meter Länge und einer Höhe von über zwei Metern hätte diese Präsentation einer Leinwand im kinoverliebten Indien alle Ehre gemacht. Aber was man zu sehen bekommt, unterläuft natürlich alle actionmäßigen Kinoerwartungen, weil es sich hier um Kunst handelt. Statt dessen entfaltet sich die unwirtliche Schönheit einer nordischen Landschaft in Panoramaufnahmen von epischer Breite, die das Format durchaus zu füllen vermögen.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Ist politische Kunst möglich? (7) Ohnmacht, Terror, Langeweile - Teil 2

"Revolutie und Polizey" heißt der zweite Teil der Ausstellung von "Ohnmacht als Situation" im Frankfurter Kunstverein. Viel unspektakulärer und mit schwerer Schlagseite ins elitär Intellektuelle geht hier das zweite Künstlerduo Mona Vatamanu aus Bukarest und Florin Tudor aus der Schweiz vor. (Erster Teil dieses Beitrags hier.) Empfangen wird man mit einem Walter Benjamin-Zitat, das hier unnötigerweise auf Englisch und wie beiläufig mit Bleistift an die Wand gekritzelt ist,  in dem es heißt, dass man die revolutionäre Energie nicht einfach in die Jugend einspeisen könne wie Elektrizität in eine Batterie. Darunter steht auf dem Treppenabsatz eine Batterie mit Glühbirne. Man fragt sich, ob es wirklich notwendig ist, ein Sprachbild in eine solche Mini-Installation - sozusagen in hardware - umzusetzen.
Mona Vatamanu / Florin Tudor: "Riots"

Donnerstag, 19. September 2013

Ist politische Kunst möglich? (7) Ohnmacht, Terror, Langeweile - Teil 1 von 2

Ausstellungfoto: Ina Zeuch
Warum wurde Ohnmacht nicht schon längst als Thema für eine Ausstellung gewählt? Auch die These, dass Ohnmacht und Terrorismus zusammenhängen, trifft ins Zentrum vieler Fragen und Zweifel, die nicht nur politisch interessierte Menschen seit langem umtreiben dürfte. "Ohnmacht als Situation" hieß die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein, die diesem Bedürfnis endlich nachkam. Die Schau, die Anfang August 2013 zu Ende ging, zeigte Werke von zwei Künstlerduos.
"Todos sois cupables salvo yo"
Direkt am Eingang der Ausstellung läuft man auf eine Attrappe zu, einer monumentalen Skulptur in nachgeahmtem Bronzeguss, die den Titel: "Alle sind schuldig ausser ich" trägt. Der Mann in sitzender Pose zeigt einen Sprengstoffgürtel unter seinem Jackett und wird hier zu einer Art 'Denkmal des unbekannten Selbstmordattentäters'. Der kurze Moment des Zündens vor der Sprengung wird hier eingefroren und in die Erscheinung eines Herrscher- oder Stifterdenkmals der verhassten bildungsbürgerlichen Klasse überführt.
Fraglich bleibt, ob ein Selbstmordattentäter sich selbst als unschuldig sieht. Reflektiert er überhaupt sein Handeln in den Kategorien der Schuld oder eher in narzisstischer Weise, weil er sich als reale Person - beleidigt durch die Verhältnisse, in denen er lebt - von sich selbst als Helden träumt?
Die Ritualisierung des Selbstmords als politischer Akt ist in dem preigekrönten Film "Paradise Now" von 2005 erhellend dargelegt. Man könnte im Sinne der Ausstellung die These aufstellen, dass die gegenwärtige Ohnmacht eines Subjekts - hier: dem Attentäter - mit dem zukünftigen Paradies als Belohnung für die Tat aufgehoben wird. Die noch verbleibende Lebenszeit bis zur Selbsttötung wird aufgeladen durch Bedeutung und tritt einem hier in erstarrter Pose gegenüber.

Dienstag, 10. Juli 2012

Ist politische Kunst möglich? (5)

Goddy Leye: "We are the World" - eine amoralische Anklage


Inmitten eines Stilllebens aus Früchten liegt der Künstler Goddy Leye auf einer Decke mit kindlichen  Motiven von Sonne, Mond und Sternen. Dilettantisch und sichtlich nicht darum bemüht, das Lied korrekt wieder zu geben, singt er den berühmten Song "We are the World", der es damals auf Platz 1 der Charts schaffte und den Grammy von 1985 gewann. Die in diesem Jahr von Harry Bellafonte ins Leben gerufene Aktion "USA for Africa"  - (USA steht hier für United Support of Artists) - versammelte amerikanische Popgrößen vor's Mikro, von denen jeder eine Zeile des schlichten Schlagers sang, um Geld für die Hungeropfer in Äthiopien zu sammeln. Schlicht ist das Lied vor allem in seiner eindeutig christlichen Ausrichtung und rückt durch den Refrain "We are the World" das neokoloniale Weltbild ganz unmerklich ins Zentrum.

 

Donnerstag, 29. März 2012

S H R A P N E L - Veer Munshi in der Galerie Latitude28 in New Delhi

"Shrapnel"  (Ausschnitt) von Veer Munshi
Die Galerie LATITUDE 28 am Lado Sarai Platz in Delhi ist eine von mehr als 20 Galerien, die sich hier rechts und links der Straße befinden. Wenn man sie betritt, vergisst man fast augenblicklich das indische Ambiente draußen und fühlt sich wie zu Hause - ganz wie in den White Cubes von Köln oder Düsseldorf. Aber viele dieser Galerien bieten eine recht krude Mischung aus gefälliger Kunst, die sich oft genug anheischig macht, die überbordende hinduistische Bildkultur noch einmal in verschiedenen Stilen aufzukochen – gespickt mit weit weniger gefälligen Werken, die im Kanon zeitgenössischer Kunst ihren Platz finden dürften.
An diesem business-trächtigen Ort, wo es nach Geld und Erfolgsdruck riecht, war LATITUDE 28 zum Zeitpunkt meines Besuchs die einzige Galerie, die eine Einzelschau zeigte. Es sind die Arbeiten des Künstlers Veer Munshi. Die Ausstellung zeigt schwerpunktmäßig Fotoarbeiten, daneben ein Video und Malerei des Künstlers. 

Sonntag, 24. April 2011

Ist politische Kunst möglich? (3)

Ascan Breuer: "Paradise Later" (2010)
Foto: wikimedia "Slumlife" Jakarta, von Jonathan McIntosh (2004)
Ascan Breuer's Film ist eine Art Basismaterial für ein Doku-Feature, wie sie im Fernsehen manchmal zu sehen sind. Ein Flussufer – über und über mit Müll versehrt - wird abgefilmt. Aber nichts wird erläutert, kein 'neutraler' Beobachter, der die Bilder kommentiert und uns erklärt, was wir sehen und welche Fragen hier zu klären sind.
Wer offenen Auges schon einmal in Schwellenländern - hier in Indonesien - gereist ist, ahnt, dass dort die Ärmsten der Armen leben, die später im Film auftauchen: Fischer, die auf vermutlich entsorgten LKW-Schläuchen auf dem Ciliwongfluss paddeln und Müll fischen, diesen durchforsten und wieder verwerten.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Ist politische Kunst möglich? (1)

Marc Boulos und Renzo Martens


Die Videoarbeiten "All that is solid melts into the air" von Marc Boulos und "Enjoy poverty" von Renzo Martens waren auf der letzten Berlin Biennale im Sommer 2010 zu sehen.Sie zeigen zwei äußerst engagierte Künstler, die die Recherchen für ihre Arbeit mit hohem Einsatz und Risiko in zwei wenig attraktiven Ländern entwickelt haben: Marc Boulos in Nigeria, Renzo Martens im Kriegsland DR Kongo. Beide beziehen politisch eindeutig Stellung.