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Samstag, 21. März 2026

"Future Fossils" - Keramiken der besonderen Art von Andreas Tesch

Die Serie der 2-Raum Ausstellungen im Museum Art Plus in Donaueschingen zeigt neben ihrer Hauptsausstellung "Nature unlimited" in kürzeren Intervallen auch Künstler:innen der Region. Diesmal aber zeigt sie den Keramikkünstler Andreas Tesch, der in Berlin arbeitet und in Melbourne aufgewachsen ist. 

 

Nicht nur das in der zeitgenössischen Kunst seltene Material der Keramik, das man eher im Designbereich und auf Kunsthandwerker-Märkten verortet, sondern auch der Titel macht neugierig. Fossilien sind ja eher als Überrreste von vergangenen Erdzeitaltern bekannt, deren Spuren und Sedimente so mühselig wie aufschlussreich von Paläontologen erforscht werden. Mit dem Begriff Zukunft verbindet man Fossilien erst einmal nicht.   

Von Menschenhand erschaffene Fossilien für die Zukunft, so heisst es im Ausstellungsflyer - "diese Formen bewirken Gedanken und Erinnerungen. Sie rufen Gedanken hervor zur Geschichte der Natur mittels ihrer wachstumsartigen Elemente. "  

Sonntag, 29. Dezember 2024

Kunstszene Kairo (3): Amr Al Ngmah in der Mashrabia Art Gallery

 

"Video Games Nostalgia" heisst die letzte Ausstellung der Mashrabia Art Gallery  mit dem jemenitischen Künstler Amr Al Ngmah. Seine Kunst stellt eine interessante Verschmelzung von traditioneller osmanischer Miniaturmalerei mit der poppigen Bildwelt von Videospielen der ersten Generation dar. 

Montag, 2. Dezember 2024

Kunstszene Kairo (2): Die Townhouse Gallery langweilt mit mäßiger Kunst

Während das Downtown Contemporary Art Festival, kurz D-CAF, mit spannenden Aktionen und ungewöhnlicher Konzeptkunst aufwartet, zeigt die vielseits gelobte und über die Grenzen Ägyptens hinaus bekannte Townhouse Gallery zwei Maler aus Kairo. In den Galerieräumen im ersten Stock des Hauptgebäudes sieht man Gemälde von Wael Hemdan mit Themen, wie man sie aus ganz Afrika kennt: In grobem und naiven  Duktus gemalte Alltagsszenen, die von Armut und Verkehrschaos der Megacity Kairos erzählen. Das hat man so oder anders schon vielfach gesehen.

Wael Hemdan,  Acrylic on canvas

Montag, 25. November 2024

Kunstszene Kairo (1): Stan's Café zeigt OF ALL THE PEOPLE IN ALL THE WORLD

Wer die weitläufige Halle des ehemaligen Warenlagers in Downtown von Kairo betritt, sieht sich einer seltsamen Szenerie gegenüber: An der hinteren Längsseite der Halle zählen und wiegen Menschen in braunen Kitteln Reiskörner ab. Zwei weitere Künstler im selben Outfit holen sich größere und kleinere Portionen dieser Reiskörner und schütten sie behutsam auf weiße Papierbögen, die auf dem Boden dafür bereit liegen. So sind nach und nach größere und kleinere Anhäufungen von Reiskörnern entstanden. In seltsam wirkenden Pyramiden bis hin zu filigran kleinen Spuren dieses Materials sind sie über die ganze Halle verteilt. Immer wieder werden neue Körner von den beiden wie Angestellte wirkenden Künstlern in ebenso braunen Kitteln hinzugefügt. 

Ausstellungsfoto

Sonntag, 27. Oktober 2024

"beyond algorithms": Eine Ausstellung im Bonner Frauenmuseum / Teil 2

Neben diesen technisch wie inhaltlich komplexen Werken der virtual und augmented reality (Besprechung in Teil 1) zeigt das Frauenmuseum auch die Anfänge von Computerkunst mit Pionierinnen der 1950er und 1970er Generationen von Künstlerinnen - allen voran mit der heute 90-jährigen Rune Mields. Das wirkt neben den Bilderfluten der jüngeren Kunst geradezu erholsam. Hier herrschen Zeichnungen und Tafelbilder vor, deren stringente Kompositionen jeglichen Überfluss verbieten. Bar von subjektivem Meinen und Fühlen deklinieren diese Werke eine einmal gestellte Aufgabe geradezu analytisch, wie der zum Beispiel, wie aus einem einzigen Dreieck komplexe Formen entstehen. Wie elegante geometrische Statuen oder Säulen lässt Rune Mields sie emporwachsen.

Rune Mields

Montag, 14. Oktober 2024

"beyond algorithms": Eine Ausstellung im Bonner Frauenmuseum / Teil 1

Kaum in der Ausstellung angekommen laufe ich in die große Videoarbeit von Karen Eliot hinein, die einen ganzen Raum um den Bildschirm herum installiert hat. Auf einem weißen Ledersofa mit Leselampe sitzt man wie in einem fremden Wohnzimmer, umgeben von herumliegenden Resten einer exklusiven Konferenz für Luxustouristen: Sektgläser, zerknüllte Snacktüten und Prospekte. Noch befremdlicher sind die Slogans, die der perfekt gestylte, unerträglich selbstbewusste  Sprecher im Video verkündet. Hinter ihm Bilder von grenzenlosem Luxus: Schnelle Autos, Yachten, Luxushotels, Berge von Bitcoins... Wir sind es, die Versager, die 'Nobodies', die 'Pussies', die ein solch erfülltes (?!) Leben nicht geschafft haben  - ganz den neoliberalen Slogans folgend, nach denen Armut selbstverschuldet und Reichtum durch Talent und Arbeit erreicht worden sei. Folgerichtig deshalb auch der Titel: "Billionaire Mindset"

Videostill aus Karen Eliots: "Billionaire Mindset"

Montag, 5. Februar 2024

"The Paradox" - Eyop Kitaba zeigt seine neuesten Arbeiten in Addis Abbeba

Unter dem Titel "The Paradox" zeigt der äthiopische Künstler Eyop Kitaba eine beeindruckende Werkreihe in seiner Einzelausstellung im Modern Art Museum von Addis Abbeba, die alle 2023 entstanden sind. Kitaba ist im besten Sinne ein politischer Künstler, der so schmerzliche Themen wie Hunger und Armut nicht einfach pittoresk illustriert, sondern auf ganz eigene Weise zum Ausdruck bringt. Sein Hauptstilmittel ist die Collage und das Installieren von Materialien, die er auf der Straße findet und die er so inszeniert, dass die Dinge für sich selbst sprechen.

Samstag, 6. Mai 2023

Vielfältiges Schwarz - Gerhard Langenfeld im Museum Art.Plus in Donaueschingen

Überwiegend schwarze Flächen bestimmen den Bildraum von Gerhard Langenfelds Kompositionen im Museum Art.Plus. Aber Schwarz ist hier nicht einfach nur Schwarz. 

Samstag, 15. Oktober 2022

False Clouds - eine Ausstellung zeitgnössischer Kunst in Sarajevo

Mitten in das bosnische Nationalmuseum von Sarajevo - der Hauptstadt von Bosnien und Herzegovina - eingebettet, zeigen 20 Künstler:innen zeigenössische Kunst. Unter dem Titel False Clouds werden unterschiedliche Auffassungen giftiger Wolken gezeigt, angefangen von den Explosionen im Jugoslawienkrieg von 1992 bis 1995 bis hin zur Erderwärmung und dazu entstehenden Bränden.

 Enes Žuljević: "The Clouds of Mostar"

Sonntag, 2. Oktober 2022

Urban – lokal: Zwei Ausstellungen in Art Plus in Donaueschingen

In einer Verschränkung von internationalen Kunstpositionen mit Künstler:innen, die aus der Region stammen, aber bereits ganz anders verortet sind, zeigt die Art Plus-Galerie eine gelungene Fusion ihrer 2-Raum-Serie mit der Hauptshow in ihren Räumen.

Zum Thema Auto mit dem Titel "Durchstarten - Take Off" hat die Biedermann-Sammlung autoselige Werke aufgeboten, von denen ich hier nur eine kleine Auswahl zeige. So sieht man eine Autokarosserie von Ferrari in Gold, die - passend zum Glanz, den dieser nutzlose Luxus verströmt - den prächtigen Spiegelsaal des ehemaligen Kinos beherrscht.


Donnerstag, 8. September 2022

Die Faszination des Stofflichen - eine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart

Schön ist das anzusehen - Wolken von gemahlenem Erdgestein, ästhehtisch hingestreut und zwischen zwei Glasplatten transparent eingefangen. So der Auftakt zur Ausstellung von Hannah Zengers "Frischzelle_28" im Stuttgarter Kunstmuseum. Des Weiteren gibt es Kräuter und anderweitig Stoffliches in Plastiktütchen fein aufgereiht an der Wand und gegenüber gläserne Apparaturen, die Wissenschaftlichkeit atmen. Sammeln, Messen, Analysieren - das ist eine der Vorgehensweisen von Wissenschaft, denen sich hier die Arbeiten von Hannah Zenger anzunähern scheinen.

Dienstag, 12. Juli 2022

Achtung Farbe! Eine Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn

"Farbe ist Programm" nennt die Bundeskunsthalle ihre Ausstellung, die erwartungsgemäß hauptsächlich Malerei zeigt und bis 8. August zu sehen war.

Hito Steyerl: "Red Alert"

                                                    

Richtig Lust auf Farbe bekommt man da und dann das: Gleich am Eingang wird man von dem skulpturalen Stillleben des Künstlers Hans Op de Beeck empfangen, der einem vor Augen führt, dass man das Thema Farbe auch durch schmerzliche Abwesenheit von Farbe angehen kann. In tödlichem Grau entfalten sich in riesenhafter Größe Früchte, Weinkelch und eitel Tand in Form von Schmuck und dem unvermeidlichen Totenschädel als Hinweis auf Vergänglichkeit und nutzlosem Festhalten an Sinneslust und Reichtum. 
 

Hans Op de Beeck: "Vanitas XL"
                                                         

Sonntag, 12. Juni 2022

BÄM! Tobias Rehberger in aller Schrille im Kunstmuseum Stuttgart

Der Künstler Tobias Rehberger hat es nicht mit kontemplativer Kunst. Werbetafeln, Plakate und blinkende Leuchtschrifttafeln bettet er in Wand-und Bodenornamente mit optischen Effekten ein, die der Op-Art der 1960er Jahre entlehnt sind. Als Betrachter:in befindet man sich in einem schrillen, flirrendem Gesamtkunstwerk.

Montag, 16. Mai 2022

Einfach Luft: Eine Ausstellung zum Element Luft im Kunstmuseum Bonn

"Welt in der Schwebe - Luft als künstlerisches Material" nennt das Kunstmuseum Bonn seine aktuelle Ausstellung, die noch bis zum 22. Juni zu sehen ist.

Gleich am Eingang der Schau wird man von der raumgreifenden Installation der aufblasbaren Skulpturen von Otto Piene überwältigt. In den schrillen  Farben von lila, gelb, rot und grün wiegen sich die raumhohen "Langen Stars", wie der Künstler sie nennt, mit ihren spitzen Sternformen durch den von den Besucher:innen erzeugten Lufthauch hin und her. 

Otto Piene: "Langen Stars", Spinnakertuch, Gebläse, Zeitschaltuhr, 2014

Sonntag, 2. Januar 2022

Das Bernsteinzimmer - ein Mythos und seine Transformation in Kunst

Mit dem Titel "Warum ist nicht alles schon verschwunden?" stellt das Kunstmuseum Bochum eine Gruppenausstellung zusammen, die prominent mit der Installation von Ingeborg Lüscher ihres Bernsteinzimmers wirbt. Zu Recht: Denn sie ist bei weitem der interessanteste Beitrag dieser teils sehr bemühten Schau um das Verschwundene. 

"Die Ausstellung", so in der Ankündigung auf der Webseite des Kunstmuseums "vereint Werke verschiedener Künstlerinnen mit unterschiedlichen Hintergründen, die ein assoziatives Netz aus Fragmentierung, Zeitdimensionen, Gewalt und Verwandlung bilden. Ihre Arbeiten bauen einen semi-fiktionalen Raum auf, ohne dabei zu versuchen, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen."

"Das Bernsteinzimmer" - Installation von Ingeborg Lüscher

Samstag, 9. Oktober 2021

Die Last der Vergangenheit - eine Ausstellung in der National Art Gallery Tirana

Wie umgehen mit dem sozialistischen Erbe, überwiegend propagandistische Auftragskunst, die in den opulenten Sammlungen vieler Museen in Südost- und Osteuropa  gespeichert ist? Ein Kuratorenteam der Art Gallery in Tirana, Hauptstadt Albaniens, hat dazu ihre Bestände in ganz neue Zusammenhänge gestellt und zwei sehr unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und sie mit "Tirana Patience" und "Open Archive" betitelt. 

Ausstellungsplakat

Freitag, 28. Februar 2020

Kunstszene Shanghai (3): Do you Copy

"Do You Copy" - absichtlich ohne Fragezeichen - so hieß die ambitionierte Gruppenausstellung im MoCA Museum of Contemporary Art, die bis 5. Januar 2020 zu sehen war.  An ihr nahmen 14 KünstlerInnen, zwei Künstlerteams und das Fashion Department der School of Design der East China Normal University mit Sitz in Shanghai teil und warb mit einem Plakat, auf dem ein prächtiges Blumenbouquet in den Weltraum schwebt.
Ausstellungsplakat
Do You Copy sollte laut dem Intro auf der Webseite des MoCA von den Ausstellungsbesuchern selbst beantwortet werden: "Do You Copy? If you did, please answer!" und wurde mit einer weiteren Frage verknüpft: "Do you come from Heaven or rise from the Abyss?"

Samstag, 8. Februar 2020

Kunstszene Shanghai (2): Lu Lei in der ShanghArt Gallery


Die Räume der ShanghArt Gallery erfüllen alle Kriterien des klassischen white cube: Groß, strahlend weiß und lichtdurchflutet, zudem mit einer eigenen Bibliothek ausgestattet, die über viele ihrer Ausstellungen Kataloge aufweist und dort auch einige Originale anbieten für diejenigen, die sich große Formate nicht leisten können. Sie ist eine der zahlreichen Galerien im Westbund Art Center - so nennt sich das ehemalige Industriegelände ganz im Südwesten Shanghais - das mit spektakulären, noch im Bau befindlichen Architekturen rasant weiter umstrukturiert wird.

Lu Lei, ein Künstler, der raumgreifende Installationen und Objekte erschafft, stellt hier noch  bis 16. Februar 2020 sein Projekt "Wander Giant" aus, an dem er vier Jahre gearbeitet hat. Das glaubt man sofort, denn schon der erste Raum der Galerie ist besetzt von Bruchstücken eines zertrümmerten Universums.

Lu Lei: "Wander Giant"

Sonntag, 19. Januar 2020

Kunstszene Shanghai (1): Malerei aus Japan in der OTA-Galerie

"Stories Told Tomorrow" nennt die japanische Malerin Tomoko Kashiki zusammen mit der Galeristin ihre Ausstellung von überwiegend großformatigen Bildern. Die OTA Fine Arts Galerie, 1994 in Tokyo gegründet, hat ihre Dependance in Shanghai erst 2017 eröffnet. Tomoko Kashiki wird hier zum ersten Mal in einer Soloausstellung gezeigt.

Im Gegensatz zur Größe vieler Bilder sind die Sujets der Künstlerin zumeist aus der Alltagwelt, oft geradezu banal - aber aufgeladen mit einer kryptischen, traumartigen Atmosphäre.

"My Favorite Green Dress", Acryl, Kieselerde, Sand auf Leinwand, 2018/19

Dienstag, 31. Dezember 2019

Happy Birthday, Zhou Hong! Eine Retrospektive im Kunstmuseum von Wuhan

Glück muss man haben! Pünktlich zur Eröffnung der Restrospektive von Zhou Hong anlässlich seines 60. Geburtstages besuchen wir zufällig das Museum für  zeitgenössische Kunst in Wuhan, einer 8-Millionen Metropole am Yangtse Fluss in Südchina.