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Montag, 25. November 2024

Kunstszene Kairo (1): Stan's Café zeigt OF ALL THE PEOPLE IN ALL THE WORLD

Wer die weitläufige Halle des ehemaligen Warenlagers in Downtown von Kairo betritt, sieht sich einer seltsamen Szenerie gegenüber: An der hinteren Längsseite der Halle zählen und wiegen Menschen in braunen Kitteln Reiskörner ab. Zwei weitere Künstler im selben Outfit holen sich größere und kleinere Portionen dieser Reiskörner und schütten sie behutsam auf weiße Papierbögen, die auf dem Boden dafür bereit liegen. So sind nach und nach größere und kleinere Anhäufungen von Reiskörnern entstanden. In seltsam wirkenden Pyramiden bis hin zu filigran kleinen Spuren dieses Materials sind sie über die ganze Halle verteilt. Immer wieder werden neue Körner von den beiden wie Angestellte wirkenden Künstlern in ebenso braunen Kitteln hinzugefügt. 

Ausstellungsfoto

Sonntag, 27. Oktober 2024

"beyond algorithms": Eine Ausstellung im Bonner Frauenmuseum / Teil 2

Neben diesen technisch wie inhaltlich komplexen Werken der virtual und augmented reality (Besprechung in Teil 1) zeigt das Frauenmuseum auch die Anfänge von Computerkunst mit Pionierinnen der 1950er und 1970er Generationen von Künstlerinnen - allen voran mit der heute 90-jährigen Rune Mields. Das wirkt neben den Bilderfluten der jüngeren Kunst geradezu erholsam. Hier herrschen Zeichnungen und Tafelbilder vor, deren stringente Kompositionen jeglichen Überfluss verbieten. Bar von subjektivem Meinen und Fühlen deklinieren diese Werke eine einmal gestellte Aufgabe geradezu analytisch, wie der zum Beispiel, wie aus einem einzigen Dreieck komplexe Formen entstehen. Wie elegante geometrische Statuen oder Säulen lässt Rune Mields sie emporwachsen.

Rune Mields

Montag, 14. Oktober 2024

"beyond algorithms": Eine Ausstellung im Bonner Frauenmuseum / Teil 1

Kaum in der Ausstellung angekommen laufe ich in die große Videoarbeit von Karen Eliot hinein, die einen ganzen Raum um den Bildschirm herum installiert hat. Auf einem weißen Ledersofa mit Leselampe sitzt man wie in einem fremden Wohnzimmer, umgeben von herumliegenden Resten einer exklusiven Konferenz für Luxustouristen: Sektgläser, zerknüllte Snacktüten und Prospekte. Noch befremdlicher sind die Slogans, die der perfekt gestylte, unerträglich selbstbewusste  Sprecher im Video verkündet. Hinter ihm Bilder von grenzenlosem Luxus: Schnelle Autos, Yachten, Luxushotels, Berge von Bitcoins... Wir sind es, die Versager, die 'Nobodies', die 'Pussies', die ein solch erfülltes (?!) Leben nicht geschafft haben  - ganz den neoliberalen Slogans folgend, nach denen Armut selbstverschuldet und Reichtum durch Talent und Arbeit erreicht worden sei. Folgerichtig deshalb auch der Titel: "Billionaire Mindset"

Videostill aus Karen Eliots: "Billionaire Mindset"

Sonntag, 2. Januar 2022

Das Bernsteinzimmer - ein Mythos und seine Transformation in Kunst

Mit dem Titel "Warum ist nicht alles schon verschwunden?" stellt das Kunstmuseum Bochum eine Gruppenausstellung zusammen, die prominent mit der Installation von Ingeborg Lüscher ihres Bernsteinzimmers wirbt. Zu Recht: Denn sie ist bei weitem der interessanteste Beitrag dieser teils sehr bemühten Schau um das Verschwundene. 

"Die Ausstellung", so in der Ankündigung auf der Webseite des Kunstmuseums "vereint Werke verschiedener Künstlerinnen mit unterschiedlichen Hintergründen, die ein assoziatives Netz aus Fragmentierung, Zeitdimensionen, Gewalt und Verwandlung bilden. Ihre Arbeiten bauen einen semi-fiktionalen Raum auf, ohne dabei zu versuchen, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen."

"Das Bernsteinzimmer" - Installation von Ingeborg Lüscher

Samstag, 9. Oktober 2021

Die Last der Vergangenheit - eine Ausstellung in der National Art Gallery Tirana

Wie umgehen mit dem sozialistischen Erbe, überwiegend propagandistische Auftragskunst, die in den opulenten Sammlungen vieler Museen in Südost- und Osteuropa  gespeichert ist? Ein Kuratorenteam der Art Gallery in Tirana, Hauptstadt Albaniens, hat dazu ihre Bestände in ganz neue Zusammenhänge gestellt und zwei sehr unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und sie mit "Tirana Patience" und "Open Archive" betitelt. 

Ausstellungsplakat

Mittwoch, 21. April 2021

"Roter Mohn" - ein Roman von Alai aus dem finsteren Tibet

"Roter Mohn" ist der erste Roman des Schriftstellers Alai von 1998, der zunächst Gedichte und Erzählungen in der Zeitschrift "Tibetische Literatur" veröffentlichte.  Auch "Roter Mohn" spielt in Tibet Anfang des 20.Jahrhunderts, im äußersten Osten des Reiches im Grenzgebiet zu China. Dabei vemiest Alai jedem Tibetromantiker gründlich die Vorstellung von einem Garten Eden in den Bergen des Himmalaya. 

Denn die feudalistischen Verhältnisse, die Alai mit den Augen des Ich-Erzählers - Sohn des Fürsten Maichi -  beschreibt, werden ungeschminkt und vermeintlich naiv festgehalten. 

Donnerstag, 6. August 2020

Hiroshima-Zombies.: After the Bomb - Keiji Nakazawa und seine Comics zur A-Bombe

Wie erzählt man über ein so traumatisches Erlebnis als Überlebender des Atombombenabwurfs in Hiroshima am 6. August 1945, vor heute 75 Jahren?
UN-Plakar zur Abschaffung von Atomwaffen

Freitag, 13. Dezember 2019

Das Memorial Museum in Nanking - Erinnerungskultur in China

Heute vor 82 Jahren  - am 13. Dezember 1937 - wurden in Nanking schätzungsweise 300.000 Chinesen von japanischen Soldaten ermordet.

Eingang zum Memorial Museum in Nanking
An diesem Tag rückten die japanischen Truppen in Nanking ein. Seit 1932 hielt die Kaiserlich Japanische Armee Teile Chinas besetzt. Der anhaltende Widerstand der Chinesen weckte die  Rachegelüste der japanischen Besatzer. Mit dem Massaker an den Chinesen in Nanking wollten sie ein Exempel statuieren, zu dem sie sich in jeder Hinsicht als überlegene Herrenmenschen im Recht fühlten. 

Sonntag, 7. April 2019

Global loser - zwei Beiträge auf der Videonale 17 in Bonn

Unter dem Titel "VIDEONALE.17 - REFRACTED REALITIES" lief die 17. Videonale im Bonner Kunstmuseum an und ist noch bis 14. April zu sehen. Sie greift damit das allgegenwärtige Thema der Medialisierung unserer Alltagswelt auf, je nachdem, in welchem Ausmaß wir sie zulassen oder uns überhaupt noch gegen sie entscheiden können.

Ähnlich wie der Einzug des Fernsehens in den Mainstream - hier in einer Arbeit des Pioniers von Nam June Paik - als neuer Bildlieferant in der Kunst der 1970er Jahre reflektiert wurde und sich daran abgearbeitet hat, so kann die zeitgenössische Kunst - schon gar nicht die Videokunst - die Medialisierung der heutigen Zeit ignorieren. Eindrücke aktueller Videokunst zu diesem Thema zeigt die 17.Videonale in 29 Beiträgen.
Erwartbar sind daher die Werke, die  youtube-Fetzen, Werbespots, Doku-TVs und Computerprogramme zur Effizienz und Kontrolle unserer Lebenswelten aufgreifen. So hat auch Sohrab Hura mit einer ebensolchen Arbeit den Videonale Preis 2019 gewonnen. In seiner Arbeit "The lost Head and the Bird" komponiert er im split screen youtube-Fetzen, Bilder aus B-Movies des indischen Fernsehens u.ä. Material, aus der sich schwerlich eine Geschichte generieren lässt, auch  wenn Titel und Text zu seiner Arbeit das vorzugeben scheinen und macht somit dem Thema der Videonale von einer vielfach gebrochenen, nicht mehr lesbaren Bruchstückrealität alle Ehre.
Videostill aus "The lost Head and the Bird" von Sohrab Hura

Samstag, 16. Juni 2018

"Zur Nachahmung empfohlen" - eine Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit in Bonn

Ein menschenleeres MacDonald's Restaurant irgendwo in den USA: An der Wand hängt ein Bild vom Arbeiter des Monats, auf den Tischen Essensreste, die Kaffeemaschine blubbert und die Rührer der Saftmaschinen bewegen sich träge durch die beiden knallbunten Flüssigkeiten in trüb gewordenen Glasbehältern.

Rasmus Nielsen, Björnsterne Christiansen, Jakob Fenge: "Flooded McDaonld's"
Klar, denkt man wenig überrascht - hier geht es um den überbordenden Verpackungsmüll, Djunkfood und dem knallharten Kapitalismus der Fastfoodkette. Unter dem Titel "Zur Nachahmung empfohlen" gastiert die Wanderausstellung mit diesem Beitrag zur Zeit in Bonn.

Samstag, 16. Dezember 2017

Ist politische Kunst möglich? (8) "Tuko Macho" - atemberaubende Videokunst aus Kenya

"Tuko Macho" verhandelt in 12 kleinen Videos, von denen jedes zwischen zwei Werbeblöcken Platz hat, einen Wahlbetrug in großem Stil und darüber hinaus einfach alles, was dem Künstlerkollektiv The Nest Collective an der kenianischen Gesellschaft  zum Himmel stinkt. Die Wahlen in Kenia 2007 waren vom Vorwurf der Wahlmanipulation überschattet und führten zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen mit Hunderten von Toten und gingen als traumatisches Ereignis ins kollektive Gedächtnis Kenias ein. Wahlmanipulation scheint in diesem Land offensichtlich bei jeder Wahl als Generalverdacht mitzuschwingen und bildet eines der Motive für Tuko Macho. 2017 wurde dieser Verdacht sogar vom Obersten Gerichtshof in Kenia bestätigt, woraufhin die Präsidentschaftswahlen wiederholt werden mussten.
Filmstill aus "Tuko Macho"

Montag, 20. November 2017

"Drawing the Qafr Kasem Massaker" von Samia Halaby

Auf der Shortlist der Palestinian Book Award 2017 ist neben acht weiteren Autoren die in den USA lebende Palästinenserin Samia Halaby mit ihrem Buch "Drawing the Kafr Qasem Massacre". Der Palestinian Book Award wurde 2012 gegründet, um jährliche Neuerscheinungen englischsprachiger Bücher über Palästina zu prämieren.
Samia Halaby hat als bildende Künstlerin nach Erzählungen von Zeugen das wenig bekannte Massaker von 1956 an Palästinensern in Kafr Qasem, einem kleinen Grenzort zum Sinai, buchstäblich aufgezeichnet. Entstanden ist ein Zyklus von Zeichnungen, der im Museum der Birzeit University in Ramallah von Februar bis Mai 2017 ausgestellt wurde und nun als Buch vorliegt.

Samia Halaby: "Killing in the Northern Fields, the Massacre of 1956 Series", Kreide auf Papier, 2012

Freitag, 11. August 2017

Palästina: Ein Besuch im Flüchtlingslager Al Fawwar

Al Fawwar ist eines von der UN registrierten Flüchtlingslager innerhalb der israelisch besetzten Gebiete in der Westbank/Palästina und gehört mit ca. 9.500 Einwohnern zu den kleineren Camps. Es wurde 1949 von der UN eingerichtet, um einen Teil der 700.000 Flüchtlinge aufzunehmen, die nach der Staatsgründung Israels entstanden sind und steht heute unter der Obhut der Palästinensischen Autonomiebehörde. Neben den 19 Flüchtlingslagern in der Westbank gibt es noch acht weitere Lager in Gaza. Zehn neue Lager entstanden nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967, bei der nach Schätzungen der UN weitere 300.000 Flüchtlinge hinzukamen. Aber auch in Jordanien (10 Lager) und Syrien (10 Lager) sowie im Libanon (12 Lager) leben Flüchtlinge.  
Acht Kilometer südlich von Hebron gelegen ist unsere Fahrt nach Al Fawwar, die wir in den südlichen Hebronhügeln wohnen, nur von kurzer Dauer. Vorher haben wir Frau Khoulod, einem unserer bewährten Kontakte im Lager, von unserem Besuch unterrichtet. Sie ist Englischlehrerin, so dass wir uns uneingeschränkt mit ihr unterhalten können und sie uns auch bei den Interviews der Bewohner übersetzen kann. Denn das ist der Grund unseres Besuches: Neben den Nachkommen der Naqba-Flüchtlinge vielleicht tatsächlich noch den einen oder anderen Zeugen der Vertreibungen nach der Staatsgründung Israels von 1948 zu finden und damit aus erster Hand über die Ereignisse von damals erfahren zu können. Schon als wir bei der Ankunft nach dem Weg fragen, wird unser Auto umringt von Kindern. 
 
Ihnen scheint jede Abwechslung willkommen und wann kommt hier außer der israelischen Armee schon einmal jemand vorbei. Die Camps gelten als Hort der Unruhen und Rekrutierungen von Aufständischen. 45 Prozent von Al Fawwar sind unter 15 Jahren, eine weitgehende No-Future-Generation, deren Frustration häufig zur Präsenz und Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee führt. So ist der beiläufige Effekt jeden friedlichen Besuches, dass die Menschen hier gesehen werden wollen, um sich nicht völlig von der Welt vergessen zu fühlen.

Montag, 5. Juni 2017

Palästina - Reiseberichte aus einem besetzten Land (4)

Von Februar bis April war ich für als ökumenische Begleiterin für EAPPI in Palästina und Israel. Ich habe dort die Bedingungen der israelischen Besatzung für die palästinensische Bevölkerung hautnah kennengelernt und israelische und palästinensische Initiativen für einen gerechten Frieden unterstützt.

Ina Zeuch: "Wo liegt eigentlich Palästina?", Zeichnung, 278 x 206,5 cm

Ein Besuch in Um Al Kheir

Wir machen einen Abstecher nach Um Al Kheir. Dort schauen wir immer wieder mal sporadisch vorbei, um Eid zu treffen. Um Al Kheir (manchmal auch Kher oder Khair geschrieben) hat auch eine Seite auf Facebook.

Reste von Hauszerstörungen in Um Al Kheir. Foto: Ina Zeuch

Sonntag, 26. Juni 2016

Kritik als Mainstream: "Culture Cuts" - eine Ausstellung von Cody Choi in Marseille

"Kulturschnitte" oder "Kultur schneidet" - so wäre die Übersetzung des Ausstellungstitels im Musée d'art contemporain in Marseille, die noch bis 28. August zu sehen ist. Sie zeigt eine umfassende Einzelausstellung des südkoreanischen Künstlers Cody Choi, dem diese museale Präsenz bereits 2015 in der Kunsthalle Düsseldorf  zuteil wurde. Dort heißt es zu ihm: 
"In Be­zie­hun­gen zu Mi­chel­an­ge­lo, Au­gus­te Ro­din, Mar­cel Duch­amp oder Ger­hard Rich­ter über­nimmt Choi west­li­che Kunst­wer­ke und da­mit be­reits for­mu­lier­te Hal­tun­gen, um sie im Sin­ne der Ap­pro­pria­ti­on Art neu zu de­fi­nie­ren."
Berühmte, allseits bekannte Schlüsselwerke der bildenden Kunst verwendet Cody Choi, indem er sie  mit lapidaren Kommentaren versieht, die suggerieren, koloniale und postkoloniale westliche Vereinnahmung sei mit den Kunstwerken fremder Kulturen ebenso verfahren. Das allerdings kommt ziemlich plump daher - hier einer der "worst cases" aus der Ausstellung:
 
"Episteme Sabotage - Sale for White Only", 2014

Freitag, 27. Mai 2016

Als Migrant überleben in Athen: Eine Ausstellung in Marseille

Simon aus Bangladesch wird im Juli 2012 von drei schwarzgekleideten Motorradfahrern mit dem Ausruf "schwarzer Pakistani" krankenhausreif geschlagen. Die Ärzte im Hospital machen nur die Unfallversorgung, alles andere lehnen sie ab, weil er keine Papiere hat. 6 Monate danach trägt er immer noch einen Gipsverband und kann nicht arbeiten. Seitdem hat er Angst, nach draußen zu gehen und bleibt deshalb überwiegend zu Hause. Allenfalls besucht er manchmal ein Restaurant seiner Landsleute in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. 
Vidoestill aus "Moughtareb" von Stephanos Mangriotis
Das ist nur eine der Geschichten von Migranten, die als Fotodokumentation im Kino CineMetroArt im Mai in Marseille zu sehen war -  Geschichten, die zu eingeschränkter Bewegungsfreiheit, Jobverlust und öder Langweile führen, weil man nicht dazugehört und nirgendwo wirklich hingehen kann. Sicherheitshalber bleibt man lieber in seinem eigenen Ghetto wie Simon, wo man diejenigen trifft, denen es auch nicht besser geht. 

Mittwoch, 10. Juni 2015

"John and Jane" - ein Film von Ashim Ahluwalia aus einem Callcenter in Mumbai

Sie heißen Glen, Kitty oder Sydney und die Abteilungen ihrer Großraumbüros sind nach amerikanischen Großstädten benannt. Sie arbeiten nachts und schlafen tagsüber. Sechs Arbeiter in einem Mumbaier Callcenter werden von der Kamera von Ashim Ahluwalia bei ihrem Job und nach Hause begleitet. Sie fängt ihre schlafwandlerischen Bewegungen durch Mumbai ein, aus dem Off hört man sie sprechen oder sie stehen direkt vor der Kamera und erzählen in knappen Sätzen über ihr Leben, ihren Job, ihre Träume. Neben den fiktiven amerikanischen Namen steht auf ihren vom Callcenter geführten Karteikarten ihre jeweilige Blutgruppe, immerhin Fakt ihrer biologischen Herkunft - sonst nichts. Damit führt Ahluwalia sie ein.  Der Film ist bereits 2005 gedreht, aber wie so oft kommt man teils nur durch Zufall aus dem eurozentrischen Blickwinkel heraus und entdeckt so vieles erst Jahre später.   
'Kitty'

Montag, 13. April 2015

(5) Kunstszene Mumbai - Vivisek Vilasani in Red, Blue & Yellow

Mumbai brummt: Als Kunstmetropole neben denen von Kalkutta oder Delhi bietet sie neben vielen ambitionierten Ausstellungen auch einige Events, wie das Kala Ghoda Art Festival oder das Fokus Photography Festival . Darüber habe ich  auf diesem und auf dem MediaWatch Blog bereits berichtet. Eine erste Galerieausstellung habe ich noch während ich in Indien war, veröffentlicht. Hier möchte ich 5 weitere Ausstellungen mit ihren Künstlern vorstellen.

Fotocollage von Vivisek Vilasani
Noch bis zum 10. April läuft die Ausstellung mit Bildern von Vivek Vilasani in einem Möbeldesignladen Red, Blue & Yellow. Der Künstler kommt aus dem südindischen Bundesstaat Kerala. Dort hat er politische Wissenschaften studiert und Bildhauerei als traditionelles Handwerk erlernt - eine ungewöhnliche Kombination. Die Tradition der Bildhauerei hat in ganz Indien große Bedeutung - für die zahlreichen hinduistischen Feiertage finden teils große Festagsumzüge mit überlebensgroßen Figuren statt. Dieser Hintergrund - das Pompöse der bilderreichen Tradition und die in Kerala als Theater aufgeführte Kathakali-Tanzperformance -  durchdringen die Bilder von Vilasani.

Freitag, 6. März 2015

Harmonisch schrill und sozial engagiert: Das Kala Ghoda Arts Festival in Mumbai

Installation von Hetal Shukla: Amby-Sad-RR
Jedes Jahr Anfang Februar findet das nach seinem Viertel benannte Kala Ghoda Arts Festival statt, das sich zwischen dem kolonial geprägten Banking District und Mumbai's südlichsten Viertel, Colaba befindet - dieses Jahr medial beworben von der Hindustan Times. Für die Meile der bildenden Kunst wurde die Dubash Marg Straße, in der auch das Goethe-Institut ihr Domizil hat, abgesperrt und damit zur fußgängerfreien Zone - eine Wohltat im vom Verkehr, Straßenhändlern und Fußgängermassen chronisch verstopften Bürgersteigen.

Freitag, 20. Februar 2015

Reflektionen über Zeit und Geschichte in der Lakeeren Galerie, Mumbai

Bleischwer kommt die Idee der Ausstellung “History is…“ in der Lakeeren Gallery in Mumbai daher, die noch bis zum 7. März läuft. Nichts weniger als das Phänomen der Zeit in der Geschichte und der subjektiv empfundenen Jetzt-Zeit soll darin verhandelt werden. Mit Verweisen auf Walter Benjamin (hier zitiert aufgrund seiner Idee der "nicht homogenen Jetzt-Zeit“ und der “messianischen Zeit“) und Karl Marx (mit Bezug auf seine Theorie von der “Dialektik der Geschichte“, die zur Revolution führt) am Eingang der Ausstellung wird man theoretisch eingestimmt und fühlt sich intellektuell bereits mächtig gefordert. Wie erst kann dieses schwergewichtige Konzept visuell bewältigt werden, wo zudem die Dimension der Zeit im Medium der bildenden Kunst ohnehin schwer darstellbar ist? Fünf KünstlerInnen wurden für diese Schau von Dr. Arshiya Lokhanwala kuratiert, die sich imstande sahen, diese dicken Bretter zu bohren. Sie tun dies auf sehr unterschiedliche Weise.
Anita Dube: ”Reflections on Love and War“