Posts mit dem Label Politik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Politik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Wilde Camps, Polizeigewalt und brutale Pushbacks entlang der Balkanroute

Flüchtlingsarbeit in Bosnien: Eine Reise mit SOS Balkanroute

"Ins game gehen", so nennen die Geflüchteten ihre riskante Reise, wenn sie zu Fuß über die Grenze von Bosnien nach Kroatien aufbrechen. Wer dabei geschnappt wird, erleidet traumatisierende Gewalt. Viele Geflüchtete erzählen davon, wie sie brutal zusammengeschlagen wurden. Sie kehren mit nichts außer ihren Kleidern am Leib zurück. Rucksäcke und alle ihre Wertsachen und ihr Geld, das sie sich für ihre Flucht besorgt haben, werden ihnen abgenommen. Vor allem werden ihre Handys vor ihren Augen mit Fußtritten zerstört.  

Wildes Camp in Velika Kladusa mit circa 300 Menschen aus Afghanistan

Montag, 27. September 2021

Saki – Ein Geflüchteter aus Marokko als Fußballtalent in Bosnien

Ich lerne Saki im Tageszentrum von Sarajevo, dem World Travelers Center kennen, das von Sanela Klepic ins Leben gerufen wurde. Das WTC ist auch auf Facebook zu finden.


Hier können sich Geflüchtete aufhalten, sich informieren, ins Internet gehen und zwei Mal in der Woche am Englischunterricht teilnehmen. Ziel dieses Zentrums ist es, Geflüchtete auszubilden und sie innerhalb eines Jahres zu legalisieren. Saki ist einer der wenigen, die sich ernsthaft darauf eingelassen haben und sich erst einmal nicht weiter auf die Flucht zu begeben oder an zeitlich begrenzte Aufenthaltspapiere zu kommen, um dann letztendlich doch abgeschoben zu werden. Er möchte sich zunächst einmal qualifizieren und durch eine Ausbildung oder durch die Ausübung eines Jobs an einen erfolgreichen Asylantrag anknüpfen.  Die Leiterin vom WTC, die auch Gästezimmer für Touristen anbietet, um eine ökonomische Basis für den Unterhalt des Tageszentrums zu schaffen, möchte das auch mit anderen Geflüchteten aufbauen. Ob dieses Konzept aufgeht, muss sich noch erweisen. Einen Kontakt zu einem engagierten Rechtsanwalt hat sie bereits gefunden.

"Das Spiel mit den vorübergehenden Aufenthaltspapieren mit weiteren Anträgen, Kosten für Rechtsberatung, Dolmetschern etc. ist ja nur ein Aufschub, ein fake für ein angeblich faires Verfahren. Fast alle enden bisher mit den Deportationspapieren", berichtet Sanela. "Dieses Spiel führt zu nichts. Deshalb haben wir uns einen anderen Weg überlegt." Mit Saki hat sie bisher den erfolgreichsten, weil ambitioniertesten Kandidaten für dieses Experiment gefunden.

Saki mit Sanela Klepic im Tageszentrum von Sarajevo

Ina Zeuch (IZ.): Was hat dich bewogen, dein Land, deine Familie und deine Freunde zu verlassen und dich auf die Flucht zu begeben?

Freitag, 13. Dezember 2019

Das Memorial Museum in Nanking - Erinnerungskultur in China

Heute vor 82 Jahren  - am 13. Dezember 1937 - wurden in Nanking schätzungsweise 300.000 Chinesen von japanischen Soldaten ermordet.

Eingang zum Memorial Museum in Nanking
An diesem Tag rückten die japanischen Truppen in Nanking ein. Seit 1932 hielt die Kaiserlich Japanische Armee Teile Chinas besetzt. Der anhaltende Widerstand der Chinesen weckte die  Rachegelüste der japanischen Besatzer. Mit dem Massaker an den Chinesen in Nanking wollten sie ein Exempel statuieren, zu dem sie sich in jeder Hinsicht als überlegene Herrenmenschen im Recht fühlten. 

Freitag, 2. August 2019

Über die verlorenen Kämpfe befreiter Sklaven - ein Roman von Syl Cheney Coker

Freetown heißt die Hauptstadt von Sierra Leone – ein Name, der Hoffnung und Sehnsucht nach Freiheit verrät, vom Aufbruch befreiter Sklaven kündet, die nach Afrika zurückkehrten in die langersehnte Selbstbestimmung. Aber wie war es wirklich?

Wie immer gibt es davon wenig Selbstzeugnisse - weder von den persönlichen Schicksalen der circa 11 Millionen verschleppten Afrikaner und noch weniger über ihr Leben als befreite Sklaven, das sie durch harte niedere Arbeiten in unterprivilegierter Stellung fristeten.
Schüler der Wesleyan High School, Sierra Leone. Quelle: The Sierra Leone Web
In seinem Roman "Der Nubier" verfolgt Syl Cheney-Coker die Geschichte des fiktiven Orts Malagueta über knapp 200 Jahre. Cheney-Coker beschreibt das Leben der Rückkehrer, die mit einem selbst finanzierten Schiff von Kanada ins ‚gelobte Land‘ übersetzen und dort siedeln. Der Roman mit dem weit weniger klischeehaften Titel "The Last Harmattan of Alusine Dunbar" erschien 1990 in deutscher Sprache.

Sonntag, 7. April 2019

Global loser - zwei Beiträge auf der Videonale 17 in Bonn

Unter dem Titel "VIDEONALE.17 - REFRACTED REALITIES" lief die 17. Videonale im Bonner Kunstmuseum an und ist noch bis 14. April zu sehen. Sie greift damit das allgegenwärtige Thema der Medialisierung unserer Alltagswelt auf, je nachdem, in welchem Ausmaß wir sie zulassen oder uns überhaupt noch gegen sie entscheiden können.

Ähnlich wie der Einzug des Fernsehens in den Mainstream - hier in einer Arbeit des Pioniers von Nam June Paik - als neuer Bildlieferant in der Kunst der 1970er Jahre reflektiert wurde und sich daran abgearbeitet hat, so kann die zeitgenössische Kunst - schon gar nicht die Videokunst - die Medialisierung der heutigen Zeit ignorieren. Eindrücke aktueller Videokunst zu diesem Thema zeigt die 17.Videonale in 29 Beiträgen.
Erwartbar sind daher die Werke, die  youtube-Fetzen, Werbespots, Doku-TVs und Computerprogramme zur Effizienz und Kontrolle unserer Lebenswelten aufgreifen. So hat auch Sohrab Hura mit einer ebensolchen Arbeit den Videonale Preis 2019 gewonnen. In seiner Arbeit "The lost Head and the Bird" komponiert er im split screen youtube-Fetzen, Bilder aus B-Movies des indischen Fernsehens u.ä. Material, aus der sich schwerlich eine Geschichte generieren lässt, auch  wenn Titel und Text zu seiner Arbeit das vorzugeben scheinen und macht somit dem Thema der Videonale von einer vielfach gebrochenen, nicht mehr lesbaren Bruchstückrealität alle Ehre.
Videostill aus "The lost Head and the Bird" von Sohrab Hura

Freitag, 25. Mai 2018

Geschichten aus der Sklaverei: Expedition nach Surinam (Teil 2)

In einer mehrteiligen Serie zum Sklavenhandel und ihren unterschiedlichen Folgen möchte ich einige dieser Zeugnisse vorstellen. In ihnen wird dieses belastende Thema weg von der bloßen Aufzählung geschichtlicher Fakten hin zu anschaulichen Geschichten von Einzelschicksalen verlagert, die trotz ihrer Einzigartigkeit und ihrer unterschiedlichen Perspektiven erhebliche Teile des blutigen Geschäfts beleuchten.  Mit die "Prinzen von Calabar" gab es mit den Briefen von zwei nigerianischen Sklavenhändlern, die irrtümlich als Sklaven gefangen wurden, den ersten Beitrag zu diesem Thema.

Fußfessel für Sklaven, Musée de la civilisation.celtique / Bibracte, Frankreich.Foto: wikimedia, Quelle Urban
 
Der erste Teil von "Expedition nach Surinam" erschien am 28.April auf diesem Blog.

Samstag, 28. April 2018

Geschichten aus der Sklaverei: Expedition nach Surinam (Teil 1)

In einer mehrteiligen Serie zum Sklavenhandel und ihren unterschiedlichen Folgen möchte ich einige dieser Zeugnisse vorstellen. In ihnen wird dieses belastende Thema weg von der bloßen Aufzählung geschichtlicher Fakten hin zu anschaulichen Geschichten von Einzelschicksalen verlagert, die trotz ihrer Einzigartigkeit und ihrer unterschiedlichen Perspektiven erhebliche Teile des blutigen Geschäfts beleuchten.  Mit die "Prinzen von Calabar" gab es mit den Briefen von zwei nigerianischen Sklavenhändlern, die irrtümlich als Sklaven gefangen wurden, den ersten Beitrag zu diesem Thema.
Fußfessel für Sklaven, Musée de la civilisation.celtique / Bibracte, Frankreich. Foto: wikimedia, Quelle Urban
Über 800 Seiten lang, durchsetzt mit akribischen Zeichnungen von Flora, Fauna und den Bewohnern von Surinam, Karten, Aufzählungen von Waren und den Profiten, die mit ihnen gemacht wurden bis hin zu Gedichten berichtet uns John Gabriel Stedman - holländischer Staatsbürger - von seiner "Expedition nach Surinam".

Freitag, 11. August 2017

Palästina: Ein Besuch im Flüchtlingslager Al Fawwar

Al Fawwar ist eines von der UN registrierten Flüchtlingslager innerhalb der israelisch besetzten Gebiete in der Westbank/Palästina und gehört mit ca. 9.500 Einwohnern zu den kleineren Camps. Es wurde 1949 von der UN eingerichtet, um einen Teil der 700.000 Flüchtlinge aufzunehmen, die nach der Staatsgründung Israels entstanden sind und steht heute unter der Obhut der Palästinensischen Autonomiebehörde. Neben den 19 Flüchtlingslagern in der Westbank gibt es noch acht weitere Lager in Gaza. Zehn neue Lager entstanden nach dem Sechs-Tage-Krieg von 1967, bei der nach Schätzungen der UN weitere 300.000 Flüchtlinge hinzukamen. Aber auch in Jordanien (10 Lager) und Syrien (10 Lager) sowie im Libanon (12 Lager) leben Flüchtlinge.  
Acht Kilometer südlich von Hebron gelegen ist unsere Fahrt nach Al Fawwar, die wir in den südlichen Hebronhügeln wohnen, nur von kurzer Dauer. Vorher haben wir Frau Khoulod, einem unserer bewährten Kontakte im Lager, von unserem Besuch unterrichtet. Sie ist Englischlehrerin, so dass wir uns uneingeschränkt mit ihr unterhalten können und sie uns auch bei den Interviews der Bewohner übersetzen kann. Denn das ist der Grund unseres Besuches: Neben den Nachkommen der Naqba-Flüchtlinge vielleicht tatsächlich noch den einen oder anderen Zeugen der Vertreibungen nach der Staatsgründung Israels von 1948 zu finden und damit aus erster Hand über die Ereignisse von damals erfahren zu können. Schon als wir bei der Ankunft nach dem Weg fragen, wird unser Auto umringt von Kindern. 
 
Ihnen scheint jede Abwechslung willkommen und wann kommt hier außer der israelischen Armee schon einmal jemand vorbei. Die Camps gelten als Hort der Unruhen und Rekrutierungen von Aufständischen. 45 Prozent von Al Fawwar sind unter 15 Jahren, eine weitgehende No-Future-Generation, deren Frustration häufig zur Präsenz und Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee führt. So ist der beiläufige Effekt jeden friedlichen Besuches, dass die Menschen hier gesehen werden wollen, um sich nicht völlig von der Welt vergessen zu fühlen.

Sonntag, 23. Juli 2017

Palästina - Reiseberichte aus einem besetzten Land (7)

Von Februar bis April war ich für als ökumenische Begleiterin für EAPPI in Palästina und Israel. Ich habe dort die Bedingungen der israelischen Besatzung für die palästinensische Bevölkerung hautnah kennengelernt und israelische und palästinensische Initiativen für einen gerechten Frieden unterstützt.
Ina Zeuch: "Wo liegt eigentlich Palästina?", Zeichnung, 278 x 206,5 cm

Filmvorführung mit den Combatants for Peace in Susiya 

Während unseres Trainings in Jerusalem treffen wir zwei Mitglieder der Combatants for Peace, die gerade für den Friedensnobelpreis nominiert worden sind und dort einen beeindruckenden Vortrag über ihre Friedensarbeit gehalten haben. Wir erfahren, dass es auch bei uns in Yatta ein Mitglied von ihnen gibt und nehmen unmittelbar danach mit ihm Kontakt auf. Es entsteht die Idee, dass wir den Film “Disturbing the Peace“, der über sie gedreht wurde und im März 2016 in den USA herauskam, hier zeigen könnten.

Screenshot vom Trailers des Films „Disturbing the Peace“

Sonntag, 2. Juli 2017

Palästina - Reiseberichte aus einem besetzten Land (6)

Von Februar bis April war ich für als ökumenische Begleiterin für EAPPI in Palästina und Israel. Ich habe dort die Bedingungen der israelischen Besatzung für die palästinensische Bevölkerung hautnah kennengelernt und israelische und palästinensische Initiativen für einen gerechten Frieden unterstützt.

Ina Zeuch: "Wo liegt eigentlich Palästina?", Zeichnung, 278 x 206,5 cm

Ein Besuch in Susiya vor der drohenden Räumung 

Noch bevor ich mich als EA beworben hatte und ohne je vorher in Palästina gewesen zu sein, hatte ich schon den Namen Susiya gehört. Susiya ist eine Hochburg des friedlichen Widerstands, die es innerhalb der letzten zehn Jahre geschafft hat, international wahrgenommen zu werden. Für den 26.Februar 2017 war ein Gerichtsurteil über die Zerstörung der Gemeinde erwartet worden, seither wird der Termin immer wieder verschoben.
“Susiya forever“ – Aufschrift auf einem Zelt, das bald zerstört werden soll

Montag, 5. Juni 2017

Palästina - Reiseberichte aus einem besetzten Land (4)

Von Februar bis April war ich für als ökumenische Begleiterin für EAPPI in Palästina und Israel. Ich habe dort die Bedingungen der israelischen Besatzung für die palästinensische Bevölkerung hautnah kennengelernt und israelische und palästinensische Initiativen für einen gerechten Frieden unterstützt.

Ina Zeuch: "Wo liegt eigentlich Palästina?", Zeichnung, 278 x 206,5 cm

Ein Besuch in Um Al Kheir

Wir machen einen Abstecher nach Um Al Kheir. Dort schauen wir immer wieder mal sporadisch vorbei, um Eid zu treffen. Um Al Kheir (manchmal auch Kher oder Khair geschrieben) hat auch eine Seite auf Facebook.

Reste von Hauszerstörungen in Um Al Kheir. Foto: Ina Zeuch

Freitag, 26. Mai 2017

Palästina - Reiseberichte aus einem besetzten Land (3)

Von Februar bis April war ich für als ökumenische Begleiterin für EAPPI in Palästina und Israel. Ich habe dort die Bedingungen der israelischen Besatzung für die palästinensische Bevölkerung hautnah kennengelernt und israelische und palästinensische Initiativen für einen gerechten Frieden unterstützt.


Ina Zeuch:“Wo liegt eigentlich Palästina - auf der Suche nach einer Nation“ (1)
278 cm x 206,5 cm, 2016

Ein Besuch in Massafer Ban Na'im

Heute waren wir auf der anderen Seite des Hügels von Birin, wo das Memorial steht, und konnten von dort dann die Siedlung Pene Hever einsehen. Die Zufahrtsstraße zu dieser Siedlung ist nur für die Siedler. Ihre Privatstraße ist der Länge nach eingezäunt.Die vielen Straßen zu den zahllosen Siedlungen hier in South Hebron Hills sind nicht automatisch reine 'Siedlerstraßen', wie es oft verallgemeinernd berichtet wird: Viele Straßen, die in Area C von der Israelischen Zivilverwaltung gebaut wurden, können von allen benutzt werden, es bleibt aber die Möglichkeit, die Straße an einigen Stellen zu sperren und zwar da, wo Area B oder A beginnt. 



Samstag, 13. Mai 2017

Palästina - Reiseberichte aus einem besetzten Land (2)


Von Februar bis April war ich für als ökumenische Begleiterin für EAPPI in Palästina und Israel. Ich habe dort die Bedingungen der israelischen Besatzung für die palästinensische Bevölkerung hautnah kennengelernt und israelische und palästinensische Initiativen für einen gerechten Frieden unterstützt.

Ina Zeuch: "Wo liegt eigentlich Palästina?", Zeichnung, 278 x 206,5 cm

Immer wieder Freitags: Das Memorial in Birin

Jeden Freitag bei Sonnenaufgang kommen Siedler aus der nahegelegenen Siedlung Pnei Hever zum Memorial. Es wurde zum Gedenken an drei versehentlich von den IDF (Israeli Defense Forces) erschossenen Siedler errichtet, weil sie beim Graben in einer Höhle für palästinensische Terroristen gehalten wurden. 

Das von jüdischen Siedlern errichtete Memorial in Birin

Montag, 1. Mai 2017

Palästina - Reiseberichte aus einem besetzten Land (1)

Von Februar bis April war ich für als ökumenische Begleiterin für EAPPI in Palästina und Israel. Ich habe dort die Bedingungen der israelischen Besatzung für die palästinensische Bevölkerung hautnah kennengelernt und israelische und palästinensische Initiativen für einen gerechten Frieden unterstützt.

Ina Zeuch: "Wo liegt eigentlich Palästina?", Zeichnung, 278 x 206,5 cm

Dkaika – ein Dorf am Ende der Welt 

Dkaika, ganz am Rande der South Hebron Hills und unmittelbar vor der Grünen Linie: Hier gibt es keine israelischen Siedlungen, aber da Dkaika in unmittelbarer Nähe zu Israel liegt, ist es das unverblümte Bestreben der israelischen Regierung, das Land zu konfiszieren und so das eigene Staatsgebiet auszudehnen. Von daher haben alle hier eine sogenannte Demolition Order – dem Befehl zur Zerstörung und Eliminierung des gesamten Dorfes. Diese ist allen schon vor Jahren zugegangen. 

Dkaika,  vollkommen abgelegen in der Halbwüste. Foto: Ina Zeuch

Samstag, 6. August 2016

In Memoriam: Little Boy auf Hiroshima und Nakazawa's "Barefoot Gen"

Aus heiterem Himmel - aber von langer Hand geplant- fielen heute  vor 71 Jahren die Bomben unter den Decknamen Little Boy und Fat Man auf die beiden japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Die unerbittliche Kriegsbeteiligung Japans unter Kaiser  Hirohito auf der Seite der Deutschen und der Angriff der japanischen Marinestreitkräfte auf Pearl Harbour, nach dem die USA dann auch aktiv in den Zweiten Weltkrieg eingriffen, waren der Vorwand für den Einsatz der Waffe. Die Weigerung des Kaisers zu kapitulieren - in Deutschland war der Krieg bereits seit dem 8. Mai zu Ende - resultierte am 9.August 1945 in einem weiteren Atombombenabwurf auf Nagasaki.
Nagasakibombe: Charles Levy from one of the B-29 Superfortresses used in the attack. Dieses Bild wurde von einem Mitglied der United States Army während der Ausführung seiner Dienstpflichten erstellt. Quelle: wikimedia commons
Erst diese zweite Bombe - Fat Man - nötigte den japanischen Kaiser zur Kapitulation. Er blieb bis zu seinem Tod 1989 in Amt und Würden. Die USA begründeten auch den zweiten Abwurf damit, das Kriegsende erzwingen zu wollen. Die US-Streitkräfte erprobten die Auswirkungen der Waffe an zwei geographisch sehr unterschiedlichen Städten: Während Hiroshima in einer Bucht gelegen ist, in der sich die Wucht der Explosion voll entfalten konnte, liegt Nagasaki verstreut über und zwischen mehreren Hügeln. Über Hiroshhima wurde außerdem eine Bombe aus hoch angereichertem Uran abgeworfen wurde, über Nagasaki Plutonium gezündet. Die Auswirkungen der Explosionen waren entsprechend unterschiedlich. Sie wurden minutiös in Film und Foto während und nach dem Abwurf von den USA aufgezeichnet, um die Schlagkraft der Bombe für das Militär zu dokumentieren.

Freitag, 13. Mai 2016

Geschichten aus der Sklaverei (I): Die Prinzen von Calabar (Teil 2)


Der transatlantische Sklavenhandel wurde zur größten Zwangsumsiedlung der Menschheit, bei der schätzungsweise elf Millionen zwischen dem 17.und 18. Jahrhundert Menschen in die Neue Welt und nach Europa verschleppt wurden. Dieses immense Ausmaß konnte von den Opfern naturgemäß kaum dokumentiert werden. Dennoch gibt es einige wenig bekannte, spärliche Zeugnisse von Betroffenen. In einer mehrteiligen Serie zum Sklavenhandel und ihren unterschiedlichen Folgen möchte ich einige dieser Zeugnisse vorstellen.
In ihnen wird dieses belastende Thema weg von der bloßen Aufzählung geschichtlicher Fakten hin zu anschaulichen Geschichten von Einzelschicksalen verlagert, die trotz ihrer Einzigartigkeit und ihrer unterschiedlichen Perspektiven erhebliche Teile des blutigen Geschäfts beleuchten. Nicht zuletzt begreift man über sie die tiefgreifenden und verstörenden Veränderungen, die sich in den westafrikanischen Königreichen durch Sklavenhandel vollzog. In Anthony Hazard's Animationsfilm "The Atlantic Slave Trade" werden diese Veränderungen anschaulich gezeigt:

Wir hatten Ephraim und Ancona Robin-John an dem vielleicht entscheidensten Punkt ihres Lebens verlasssen - ihrer Gefangenahme und Versklavung in Folge eines Komplotts von Sklavenhändlern, bei dem es um Übervorteilung des Konkurrenten, Handelsrechten und Preise ging (s.Teil 1)

Ankunft in Roseau, Domenica und Flucht nach Bristol

Auch auf den Sklavenschiffen gab es im Übrigen eine Arbeitsteilung: Die umgänglichsten Sklaven wurden als Quartiersmeister eingesetzt, um die Essenszuteilung zu überwachen und aufkommende Rebellionen zu melden. Vermutlich hatten die Prinzen eine solche Stellung inne und konnten deshalb Privilegien erwerben. Ein solches Privileg war, beim Anlegen des ersten Hafens in Domenicas Hauptstadt Roseau direkt auf dem Schiff verkauft zu werden, wo die ersten Käufer, meistens Mitglieder von Behörden, an Bord gingen und auf Empfehlung des Kapitäns ein Vorverkaufsrecht genossen, um die beste ‘Ware‘ abzugreifen. Nur so konnte man – wenn man guten Kontakt zum Kapitän hatte – erwirken, dass Familien oder Paare zusammen verkauft wurden. 
Umgebautes Sklavenschiff. Unbekannter Autor / wikimedia

Sonntag, 5. Juli 2015

Armut ohne Ausstieg? Mike Davis' Studie "Planet of Slums"


Millionen Arbeitlose, überwiegend aus ländlichen Gebieten, suchen Metropolen wie Djakarta, Mumbai, Hongkong, Kairo oder die am schnellsten gewachsene Stadt Europas, Moskau, auf, um dort ihr Leben zu fristen - in der Hoffnung auf ein einigermaßen ausreichendes Einkommen. Dafür nehmen sie unvorstellbare und menschenunwürdige Lebensbedingungen in Kauf, um der Spirale nach unten dennoch nicht entrinnen zu können - so Davis in seiner Studie "Planet der Slums" von 2006.


Gerade einmal 20 Prozent der benötigten neuen Wohnungen werden in der Dritten Welt auf dem offiziellen Wohungsmarkt bereitgestellt, so dass die Menschen auf selbstgebaute Hütten, informelle Vermietungen oder Bürgersteige zurückgreifen, zitiert Davis eine Studie der International Labour Organisation ILO. Daneben hat seit den 1980er Jahren eine massive Deindustrialisierung in Metropolen wie Mumbai, Johannesburg, Buenos Aires oder São Paulo stattgefunden, die eine urbane Verarmung nach sich gezogen hat, die sich in wachsenden und neu bildenden Slums niederschlägt.

Samstag, 11. April 2015

Zwischenruf: Sch... Bescheidenheit - Armutskunst aus Griechenland

Ein Künstler muss hungern und frieren, um wahre Kunst zu produzieren - so ein beliebtes Klischee. Heuchlerisch ist das und die Moderatorin vom Deutschlandfunk im Magazin Kultur heute vom 8.4.2015 sagt das auch im ersten Satz zu ihrem Beitrag über eine Ausstellung von 74 griechischen Künstlern, die zur Zeit in Tessaloniki läuft. Dann aber geht es doch ganz anders weiter, weil Kunst und Krise in Griechenland doch irgendwie kongenial zusammenkommen. Von Solidarität ist da die Rede, dem Zusammenrücken der Menschen in der Armut und wie die Künstler mit sogenannten armen Materialien Kunst generieren.
Griechische Polizei schützt einen Weihnachtsbaum vor Demonstranten in einem Einkaufszentrum der Athener Innenstadt*

Dienstag, 22. Januar 2013

Ein Blick zurück - der Flüchtlingsmarsch von Würzburg nach Berlin

Weltflüchtlingskarte von 2007, UNHCR.
Grafik von KVDP (wikimedia)
Durch die Intitiative von refugee welcome Bonn – unterstützt vom Kulturreferat ASTA - gab es am 31. Januar 2013 in der Uni Bonn einen Vortrag zum Flüchtlingsmarsch vom Dezember 2012, der von Würzburg nach Berlin führte. Dazu war Salomon Wantchoucou (Mitglied von THE VOICE, Refugee Forum & Flüchtlingsinitiative Wittenberg) aus Benin eingeladen. Er lebt zur Zeit in einem Flüchtlingsheim in Wittenberg. Er hat die Flüchtlingsaktionen mitorganisiert und nahm an dem Marsch nach Berlin teil.