Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt noch bis 12. März eine sehenswerte Ausstellung von und über Menschen mit Down-Syndrom. Früher hießen sie Mongoloide wegen ihrer asiatisch anmutenden Augen mit
Schlupflidern. Und noch viel früher waren sie in einigen Kleinstädten
und Dörfern als sogenannte 'Dorftrottel' in der Öffentlichkeit präsent.
Dienstag, 14. Februar 2017
Samstag, 6. August 2016
In Memoriam: Little Boy auf Hiroshima und Nakazawa's "Barefoot Gen"
Aus heiterem Himmel - aber von langer Hand geplant- fielen heute vor 71 Jahren die Bomben unter den Decknamen Little Boy und Fat Man auf die beiden japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Die unerbittliche Kriegsbeteiligung Japans unter Kaiser Hirohito auf der Seite der Deutschen und der Angriff der japanischen Marinestreitkräfte auf Pearl Harbour, nach dem die USA dann auch aktiv in den Zweiten Weltkrieg eingriffen, waren der Vorwand für den Einsatz der Waffe. Die Weigerung des Kaisers zu kapitulieren - in Deutschland war der Krieg bereits seit dem 8. Mai zu Ende - resultierte am 9.August 1945 in einem weiteren Atombombenabwurf auf Nagasaki.
Kriegsende erzwingen zu wollen. Die US-Streitkräfte erprobten die Auswirkungen der Waffe an zwei geographisch sehr unterschiedlichen Städten: Während Hiroshima in einer Bucht gelegen ist, in der sich die Wucht der Explosion voll entfalten konnte, liegt Nagasaki verstreut über und zwischen mehreren Hügeln. Über Hiroshhima wurde außerdem eine Bombe aus hoch angereichertem Uran abgeworfen wurde, über Nagasaki Plutonium gezündet. Die Auswirkungen der Explosionen waren entsprechend unterschiedlich. Sie wurden minutiös in Film und Foto während und nach dem Abwurf von den USA aufgezeichnet, um die Schlagkraft der Bombe für das Militär zu dokumentieren.
Kriegsende erzwingen zu wollen. Die US-Streitkräfte erprobten die Auswirkungen der Waffe an zwei geographisch sehr unterschiedlichen Städten: Während Hiroshima in einer Bucht gelegen ist, in der sich die Wucht der Explosion voll entfalten konnte, liegt Nagasaki verstreut über und zwischen mehreren Hügeln. Über Hiroshhima wurde außerdem eine Bombe aus hoch angereichertem Uran abgeworfen wurde, über Nagasaki Plutonium gezündet. Die Auswirkungen der Explosionen waren entsprechend unterschiedlich. Sie wurden minutiös in Film und Foto während und nach dem Abwurf von den USA aufgezeichnet, um die Schlagkraft der Bombe für das Militär zu dokumentieren.
Sonntag, 26. Juni 2016
Kritik als Mainstream: "Culture Cuts" - eine Ausstellung von Cody Choi in Marseille
"Kulturschnitte" oder "Kultur schneidet" - so wäre die Übersetzung des Ausstellungstitels im Musée d'art contemporain in Marseille, die noch bis 28. August zu sehen ist. Sie zeigt eine umfassende Einzelausstellung des südkoreanischen Künstlers Cody Choi, dem diese museale Präsenz bereits 2015 in der Kunsthalle Düsseldorf zuteil wurde. Dort heißt es zu ihm:
"In Beziehungen zu Michelangelo, Auguste Rodin, Marcel Duchamp oder Gerhard Richter übernimmt Choi westliche Kunstwerke und damit bereits formulierte Haltungen, um sie im Sinne der Appropriation Art neu zu definieren."Berühmte, allseits bekannte Schlüsselwerke der bildenden Kunst verwendet Cody Choi, indem er sie mit lapidaren Kommentaren versieht, die suggerieren, koloniale und postkoloniale westliche Vereinnahmung sei mit den Kunstwerken fremder Kulturen ebenso verfahren. Das allerdings kommt ziemlich plump daher - hier einer der "worst cases" aus der Ausstellung:
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| "Episteme Sabotage - Sale for White Only", 2014 |
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Freitag, 27. Mai 2016
Als Migrant überleben in Athen: Eine Ausstellung in Marseille
Simon aus Bangladesch wird im Juli 2012 von drei schwarzgekleideten Motorradfahrern mit dem Ausruf "schwarzer Pakistani" krankenhausreif geschlagen. Die Ärzte im Hospital machen nur die Unfallversorgung, alles andere lehnen sie ab, weil er keine Papiere hat. 6 Monate danach trägt er immer noch einen Gipsverband und kann nicht arbeiten. Seitdem hat er Angst, nach draußen zu gehen und bleibt deshalb überwiegend zu Hause. Allenfalls besucht er manchmal ein Restaurant seiner Landsleute in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.
| Vidoestill aus "Moughtareb" von Stephanos Mangriotis |
Das ist nur eine der Geschichten von Migranten, die als Fotodokumentation im Kino CineMetroArt im Mai in Marseille zu sehen war - Geschichten, die zu eingeschränkter Bewegungsfreiheit, Jobverlust und öder Langweile führen, weil man nicht dazugehört und nirgendwo wirklich hingehen kann. Sicherheitshalber bleibt man lieber in seinem eigenen Ghetto wie Simon, wo man diejenigen trifft, denen es auch nicht besser geht.
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Freitag, 13. Mai 2016
Geschichten aus der Sklaverei (I): Die Prinzen von Calabar (Teil 2)
Der transatlantische
Sklavenhandel wurde zur größten Zwangsumsiedlung der Menschheit, bei der schätzungsweise elf Millionen zwischen dem 17.und 18. Jahrhundert
Menschen in die Neue Welt und nach Europa verschleppt wurden. Dieses immense
Ausmaß konnte von den Opfern naturgemäß kaum dokumentiert werden. Dennoch gibt es einige
wenig bekannte, spärliche Zeugnisse von Betroffenen. In einer mehrteiligen Serie zum Sklavenhandel und ihren unterschiedlichen Folgen möchte ich einige dieser Zeugnisse vorstellen.
In ihnen wird dieses belastende Thema weg von der bloßen Aufzählung geschichtlicher Fakten hin zu anschaulichen Geschichten von Einzelschicksalen verlagert, die trotz ihrer Einzigartigkeit und ihrer unterschiedlichen Perspektiven erhebliche Teile des blutigen Geschäfts beleuchten. Nicht zuletzt begreift man über sie die tiefgreifenden und verstörenden Veränderungen, die sich in den westafrikanischen Königreichen durch Sklavenhandel vollzog. In Anthony Hazard's Animationsfilm "The Atlantic Slave Trade" werden diese Veränderungen anschaulich gezeigt:
In ihnen wird dieses belastende Thema weg von der bloßen Aufzählung geschichtlicher Fakten hin zu anschaulichen Geschichten von Einzelschicksalen verlagert, die trotz ihrer Einzigartigkeit und ihrer unterschiedlichen Perspektiven erhebliche Teile des blutigen Geschäfts beleuchten. Nicht zuletzt begreift man über sie die tiefgreifenden und verstörenden Veränderungen, die sich in den westafrikanischen Königreichen durch Sklavenhandel vollzog. In Anthony Hazard's Animationsfilm "The Atlantic Slave Trade" werden diese Veränderungen anschaulich gezeigt:
Wir hatten Ephraim und Ancona Robin-John an dem vielleicht entscheidensten Punkt ihres Lebens verlasssen - ihrer Gefangenahme und Versklavung in Folge eines Komplotts von Sklavenhändlern, bei dem es um Übervorteilung des Konkurrenten, Handelsrechten und Preise ging (s.Teil 1)
Ankunft in Roseau, Domenica und Flucht nach Bristol
Auch auf den Sklavenschiffen gab es im Übrigen eine Arbeitsteilung: Die umgänglichsten Sklaven wurden als Quartiersmeister eingesetzt, um die Essenszuteilung zu überwachen und aufkommende Rebellionen zu melden. Vermutlich hatten die Prinzen eine solche Stellung inne und konnten deshalb Privilegien erwerben. Ein solches Privileg war, beim Anlegen des ersten Hafens in Domenicas Hauptstadt Roseau direkt auf dem Schiff verkauft zu werden, wo die ersten Käufer, meistens Mitglieder von Behörden, an Bord gingen und auf Empfehlung des Kapitäns ein Vorverkaufsrecht genossen, um die beste ‘Ware‘ abzugreifen. Nur so konnte man – wenn man guten Kontakt zum Kapitän hatte – erwirken, dass Familien oder Paare zusammen verkauft wurden.
Auch auf den Sklavenschiffen gab es im Übrigen eine Arbeitsteilung: Die umgänglichsten Sklaven wurden als Quartiersmeister eingesetzt, um die Essenszuteilung zu überwachen und aufkommende Rebellionen zu melden. Vermutlich hatten die Prinzen eine solche Stellung inne und konnten deshalb Privilegien erwerben. Ein solches Privileg war, beim Anlegen des ersten Hafens in Domenicas Hauptstadt Roseau direkt auf dem Schiff verkauft zu werden, wo die ersten Käufer, meistens Mitglieder von Behörden, an Bord gingen und auf Empfehlung des Kapitäns ein Vorverkaufsrecht genossen, um die beste ‘Ware‘ abzugreifen. Nur so konnte man – wenn man guten Kontakt zum Kapitän hatte – erwirken, dass Familien oder Paare zusammen verkauft wurden.
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| Umgebautes Sklavenschiff. Unbekannter Autor / wikimedia |
Dienstag, 3. Mai 2016
Geschichten aus der Sklaverei (I): Die Prinzen von Calabar (Teil 1)
Die Prinzen von Calabar (Teil 1)
Der transatlantische Sklavenhandel wurde zur größten Zwangsumsiedlung der Menschheit, bei der schätzungsweise elf Millionen Menschen zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert in die Neue Welt und nach Europa verschleppt wurden. Dieses immense Ausmaß konnte von den Opfern naturgemäß kaum dokumentiert werden. Dennoch gibt es einige wenig bekannte, spärliche Zeugnisse von Betroffenen.
Der transatlantische Sklavenhandel wurde zur größten Zwangsumsiedlung der Menschheit, bei der schätzungsweise elf Millionen Menschen zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert in die Neue Welt und nach Europa verschleppt wurden. Dieses immense Ausmaß konnte von den Opfern naturgemäß kaum dokumentiert werden. Dennoch gibt es einige wenig bekannte, spärliche Zeugnisse von Betroffenen.
In einer mehrteiligen Serie zum Sklavenhandel und ihren unterschiedlichen Folgen möchte ich einige dieser Zeugnisse vorstellen. In ihnen wird dieses belastende Thema weg von der bloßen Aufzählung geschichtlicher Fakten hin zu anschaulichen Geschichten von Einzelschicksalen verlagert, die trotz ihrer Einzigartigkeit und ihrer unterschiedlichen Perspektiven erhebliche Teile des blutigen Geschäfts beleuchten. Nicht zuletzt begreift man über sie die tiefgreifenden und verstörenden Veränderungen, die sich in den westafrikanischen Königreichen durch Sklavenhandel vollzog. In Anthony Hazard's Animationsfilm "The Atlantic Slave Trade" werden diese Veränderungen anschaulich gezeigt:
“Die Prinzen von Calabar“ heißt
das Buch des Historikers Randy J. Sparks aus New Orleans. In ihm beschreibt er seinen zufälligen Fund eines Briefwechsels
von zwei versehentlich verschleppten afrikanischen Sklavenhändlern bei ihrem
verzweifelten Kampf um ihre Befreiung. Sparks hat diesen Briefwechsel
historisch aufgearbeitet und kommt dabei zu atemberaubenden Schlüssen. Sie
beleuchten nicht nur das transatlantische Geflecht des afrikanisch-europäischen
Sklavenhandles, sondern auch die beginnende Antisklaverei-Bewegung in Bristol.
Dort beginnt der Briefwechsel zwischen den beiden Prinzen und den Brüdern Charles
und John Wesley. Die Wesley-Brüder gehörten der Methodistenkirche in Bristol an,
die zusammen mit der Quäkerbewegung die Sklaverei als verbrecherische Sünde
ablehnten und sich für die Befreiung der beiden Prinzen einsetzten. In seinem
Buch rekonstruiert er anhand der Briefe die Geschichte der Verschleppung und
Befreiung der beiden afrikanischen Sklavenhändler Ephraim und Ancona Robin
Robin-John.
Mittwoch, 6. April 2016
Banlieue Blues: Der Film "Bande de Filles" von Céline Sciamma
"Le Chêne-Pointu" ("Spitze Eiche"), so heißt die größte Plattenbausiedlung in Clichy-sous-Bois: 1.500 Wohnungen, achttausend Menschen, mehr als einhundert Nationen. Hier haben Zyed und Bouna gelebt, die beiden Jungen, die am 27. Oktober 2005 auf der Flucht vor der Polizei ein Stromschlag trifft. Hier brannten die ersten Autos.
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| Karte der Pariser Aufstände im Oktober 2005.Grafik: Nécropotame, Lizenz FAL, wikimedia |
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