Freitag, 6. März 2015

Harmonisch schrill und sozial engagiert: Das Kala Ghoda Arts Festival in Mumbai

Installation von Hetal Shukla: Amby-Sad-RR
Jedes Jahr Anfang Februar findet das nach seinem Viertel benannte Kala Ghoda Arts Festival statt, das sich zwischen dem kolonial geprägten Banking District und Mumbai's südlichsten Viertel, Colaba befindet - dieses Jahr medial beworben von der Hindustan Times. Für die Meile der bildenden Kunst wurde die Dubash Marg Straße, in der auch das Goethe-Institut ihr Domizil hat, abgesperrt und damit zur fußgängerfreien Zone - eine Wohltat im vom Verkehr, Straßenhändlern und Fußgängermassen chronisch verstopften Bürgersteigen.

Freitag, 20. Februar 2015

Reflektionen über Zeit und Geschichte in der Lakeeren Galerie, Mumbai

Bleischwer kommt die Idee der Ausstellung “History is…“ in der Lakeeren Gallery in Mumbai daher, die noch bis zum 7. März läuft. Nichts weniger als das Phänomen der Zeit in der Geschichte und der subjektiv empfundenen Jetzt-Zeit soll darin verhandelt werden. Mit Verweisen auf Walter Benjamin (hier zitiert aufgrund seiner Idee der "nicht homogenen Jetzt-Zeit“ und der “messianischen Zeit“) und Karl Marx (mit Bezug auf seine Theorie von der “Dialektik der Geschichte“, die zur Revolution führt) am Eingang der Ausstellung wird man theoretisch eingestimmt und fühlt sich intellektuell bereits mächtig gefordert. Wie erst kann dieses schwergewichtige Konzept visuell bewältigt werden, wo zudem die Dimension der Zeit im Medium der bildenden Kunst ohnehin schwer darstellbar ist? Fünf KünstlerInnen wurden für diese Schau von Dr. Arshiya Lokhanwala kuratiert, die sich imstande sahen, diese dicken Bretter zu bohren. Sie tun dies auf sehr unterschiedliche Weise.
Anita Dube: ”Reflections on Love and War“

Montag, 2. Februar 2015

Off to Mumbai

Morgen fliege ich bis 18. März nach Mumbai. Schon immer hat Indien mich für mein künstlerisches Schaffen inspiriert - eine solch gewaltige Bildkultur ist kaum zu überbieten. Die schrillen indischen TV-Telenovelas sind bereits in meine Kunst eingegangen. Außerdem hoffe ich, dort - neben vielem anderem - einige Ausstellungen zeitgenössischer Kunst sehen zu können.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Überleben in Johannesburg: Ein Roman von Kgebetli Moele

Umschlag des Romans "Room 207"

Johannesburg in den 90er Jahren: Zum ersten Mal nimmt die schwarze Mehrheit des Landes nach der Abschaffung des Apartheidsystems an der Wahl teil und bringt Mandela und die Partei des ANC an die Macht. Die weiße Minderheit befindet sich auf dem Rückzug. Das ehemals weiße Viertel Hillbrow wird von schwarzen Studenten und Migranten aus ganz Afrika, die den Diktaturen ihres Landes entfliehen, 'erobert'. Für alle zusammen ist dieses Viertel der Ort, wo man sein Glück macht, um als gemachter Mann zu den komfortableren Randbezirken der Stadt zu ziehen und ein Leben in Luxus zu genießen, mindestens aber zu einer geregelten, bürgerlichen Existenz zu kommen. Das ist die Ausgangssituation von "Room 207" des südafrikanischen Autors Kgebetli Moele, der mit Unterstützung des National Arts Council of South Africa seinen ersten Roman veröffentlichte.
Das Einzleappartment mit der Nummer 207 befindet sich in einem ehemaligen Hotel mit einer Security Garde an der ehemaligen Rezeption mitten in Hillbrow. Glückssucher und Bildungshungrige - schwarze Studenten, die endlich Zugang zu den Universitäten haben -  bescheren der einstmals schicken Residenz der Weißen einen Boom, die es binnen kürzester Zeit  zum dicht besiedeltsten Teil Joburgs - auch Sincity - anwachsen lässt. 

Donnerstag, 15. Januar 2015

Warten auf die 4. Ghetto Biennale

 

Foto: Image Gallery 3rd.Ghetto Biennale  
Biennalen sind üblicherweise große Kunstausstellungen mit internationalen Stars und vielen Sponsoren, die alle 2 Jahre stattfinden, bei denen die Kuratoren sich gerne selbst feiern und sich dabei oft mit mehr oder weniger verständlichen Konzepten überbieten. Ihnen geht es meist darum, Thesen darüber abzulassen, wohin die zeitgenössische Kunst steuert und vor allem darüber mit zu bestimmen, welche Richtung sie dafür ausgemacht haben. Schicke Metropolen -   mit unbezahlbaren Mietpreisen in den Zentren wie Miami, São Paulo, Venedig, Sydney, Johannesburg -  die vor allem die Eliten ansprechen, protzen mit viel Metropolenhype oder pittoresken historischen locations. Aber wie geht Ghetto mit Biennale?  2013 gab es - mehr oder weniger unbemerkt - jedenfalls schon die dritte davon, in einem Land, das ein einziges Ghetto ist: in Haiti's Hautpstadt Port-au-Prince.

Freitag, 19. Dezember 2014

Ponte City: Urbane Träume aus Johannesburg

Wie der Eiffelturm das Wahrzeichen von Paris, so ist Ponte City - ein Hochhaus mit 56 Stockwerken und 255 Appartments - das Wahrzeichen von Johannesburg. Die Geschichte des Ponte spiegelt auch einen Teil der Geschichte Südafrikas: 1975 als Appartmenthochhaus für die weiße Mittelschicht erbaut, wurde es nach der Apartheid von afrikanischen Migranten genutzt. Der anschließende Niedergang des Gebäudes aufgrund von Drogenmissbrauch, Prostitution und organisiertem Verbrechen und schließlich der Neubeginn - gaben Anlass zu zahlreichen Labels und bildeten eine Basis der von vielen Weißen bereits liebgewonnenen Vorstellungen über ein kriminelles Südafrika nach der Apartheid.
Portätfotos von Mietern des Ponte von Mikhael Subotzky/Patrick Waterhouse
"Zimmer frei in der Hölle" (Süddeutschen Zeitung) oder "Im  bösesten Hochhaus der Welt" (Die Welt), aber auch der Wandel von Ponte nimmt immer Bezug auf die kriminelle Phase seiner Geschichte. Erstaunlich, wie sehr Verbrechen thematisiert werden, wenn sie nur fassbar in einem einzigen Gebäude versammelt sind, während die Verbrechen einer ganzen Ära wie der Apartheid weit weniger medienträchtig zu sein scheinen.

Montag, 8. Dezember 2014

Elend in Pink - Kriegsbilder aus dem Kongo als 'ekstatische Wahrheit'

Man stelle sich einmal vor, ein afrikanischer Videokünstler wäre in den Bürgerkrieg Jugoslawiens gezogen, um dort viel aus fahrenden Autos heraus wirres Kriegsgeschehen, Tote und  verzweifelte Menschen in überfüllten Flüchtlingscamps oder Massengräber und sterbende Kinder abzufilmen. Und er hätte diese Szenarien in Infrarot gefilmt und die Vegetation wäre nicht mehr grün, sondern pink und damit neben allem Elend auch ein prächtiger Farbstreifen, eben Kunst. Und damit wäre er dann auf eine der renommiertesten Biennalen Afrikas eingeladen worden und hätte nach dieser Schau obendrauf von einem großen Finanzdienstleister einen Fotopreis erhalten. Das wäre dann das Europabild der Afrikaner oder zumindest ihrer Eliten, eben jenen, die solche Biennalen in Afrika besuchen.
Foto von Richard Mosse aus der Ausstellung "The Enclave"