Sonntag, 13. September 2015

"NH 10": Eine Frau sieht rot - der neue Film von Nadveep Singh

Als crime thriller und tale of revenge wird der Film mit dem unspektakulären Titel "NH 10" geführt  und geht doch weit über diese marktschreierischen Kategorien hinaus. Im März 2015 kam "NH 10" in die indischen Kinos. Der Regisseur Nadveep Singh erzählt darin die Geschichte eines Ehrenmords, bei dem ein junges Ehepaar aus Delhi Zeuge wird.

Filmstill aus "NH
NH 10  bezeichnet den 485 km langen Highway, auf dem Meera und Arjun die 19 Millionen-Stadt Delhi für einen Wochenend-Trip hinter sich lassen. Es soll die Geburtstagsfeier für Meera werden, für die ihr Mann Arjun eine lauschige Privatunterkunft auf dem Lande besorgt hat. Keine Autostunde von der Stadt entfernt weht ihnen unvermutet ein ganz anderer Wind entgegen.

Samstag, 15. August 2015

Religiöse Wandmalereien aus Dakar

Weder Graffitti noch Street-Art passen als Kategorie auf die Wandmalereien, die in der Medina in Dakar zu sehen sind. Bei meinem ersten Aufenthalt in der Haupttadt Senegals habe ich sie gesehen und fotografiert. Zuletzt bei der 11. Biennale von Dakar 2014 konnte ich sie nicht mehr finden. Ich hoffe trotzdem, dass sie noch da sind. Denn sie sind gerade durch ihre Nicht-Kategorisierbarkeit etwas Besonderes. Sie bestehen aus über und über gezeichneten Figuren des immer gleichen Motivs, dem religiösen Führer Amadou Bamba, der die Bruderschaft der Mouriden gründete.
Wandzeichnungen aus Dakar, Medina - 2003, Foto: Ina Zeuch

Montag, 27. Juli 2015

Off to Tanzania

Vor fast 17 Jahren war ich zuletzt in Tanzania - morgen fahre ich wieder hin. Inzwischen ist Daressalaam auf gut 5 Millionen Einwohner angewachsen und hat so etwas wie eine eigene Skyline. Sansibar ist nach den Fotos, die ich im Netz gefunden habe, fast komplett zum Theme-Park für Touristen geworden, Ansätze davon haben mich schon damals enttäuscht. 

Die Familie von Zafer in Sanzibar, Stone Town 1998

Mittwoch, 22. Juli 2015

Einfach Kunst: "British Art" in der Stiftung Biedermann

"British Art" zeigt die Stiftung Biedermann in Donaueschingen noch bis zum 20. September in den sehr schönen, umgebauten Räumen eines klassizistischen Gebäudes. Eine ganze Künstlergeneration der 1990er kam unter dem Label Young Britsh Artists (YBA) zu Ruhm, die das Bild zu zeitgenössischer britischer Kunst besetzt: Tracy Emin's ungemachtes Bett, benutzte Kondome und blutverschmierte Unterwäsche - abgefeiert als weibliche Identitässuche und prämiert mit dem renommierten Turner-Prize von 1999 - oder Damian Hirst's in Formaldehyd eingelegte Tierkadaver, um nur die krassesten Beispiele zu nennen. Und aktuell zeigt man im britischen Pavillon der Biennale von Venedig Sarah Lucas' platte Penisplastik in bonbongelb, ebenfalls eine Künstlerin der nicht mehr ganz so jungen YBA. 
Kenny Hunter: "Like Water in Water"

Sonntag, 5. Juli 2015

Armut ohne Ausstieg? Mike Davis' Studie "Planet of Slums"


Millionen Arbeitlose, überwiegend aus ländlichen Gebieten, suchen Metropolen wie Djakarta, Mumbai, Hongkong, Kairo oder die am schnellsten gewachsene Stadt Europas, Moskau, auf, um dort ihr Leben zu fristen - in der Hoffnung auf ein einigermaßen ausreichendes Einkommen. Dafür nehmen sie unvorstellbare und menschenunwürdige Lebensbedingungen in Kauf, um der Spirale nach unten dennoch nicht entrinnen zu können - so Davis in seiner Studie "Planet der Slums" von 2006.


Gerade einmal 20 Prozent der benötigten neuen Wohnungen werden in der Dritten Welt auf dem offiziellen Wohungsmarkt bereitgestellt, so dass die Menschen auf selbstgebaute Hütten, informelle Vermietungen oder Bürgersteige zurückgreifen, zitiert Davis eine Studie der International Labour Organisation ILO. Daneben hat seit den 1980er Jahren eine massive Deindustrialisierung in Metropolen wie Mumbai, Johannesburg, Buenos Aires oder São Paulo stattgefunden, die eine urbane Verarmung nach sich gezogen hat, die sich in wachsenden und neu bildenden Slums niederschlägt.

Mittwoch, 10. Juni 2015

"John and Jane" - ein Film von Ashim Ahluwalia aus einem Callcenter in Mumbai

Sie heißen Glen, Kitty oder Sydney und die Abteilungen ihrer Großraumbüros sind nach amerikanischen Großstädten benannt. Sie arbeiten nachts und schlafen tagsüber. Sechs Arbeiter in einem Mumbaier Callcenter werden von der Kamera von Ashim Ahluwalia bei ihrem Job und nach Hause begleitet. Sie fängt ihre schlafwandlerischen Bewegungen durch Mumbai ein, aus dem Off hört man sie sprechen oder sie stehen direkt vor der Kamera und erzählen in knappen Sätzen über ihr Leben, ihren Job, ihre Träume. Neben den fiktiven amerikanischen Namen steht auf ihren vom Callcenter geführten Karteikarten ihre jeweilige Blutgruppe, immerhin Fakt ihrer biologischen Herkunft - sonst nichts. Damit führt Ahluwalia sie ein.  Der Film ist bereits 2005 gedreht, aber wie so oft kommt man teils nur durch Zufall aus dem eurozentrischen Blickwinkel heraus und entdeckt so vieles erst Jahre später.   
'Kitty'

Sonntag, 24. Mai 2015

(1) Kunstszene Mumbai: Rana Dasgupta in der Galerie Chatterjee & Lal

Mumbai brummt: Als Kunstmetropole neben denen von Kalkutta oder Delhi bietet sie neben vielen ambitionierten Ausstellungen auch einige Events, wie das Kala Ghoda Art Festival oder das Fokus Photography Festival. Darüber habe ich hier und auf dem MediaWatchBlog bereits berichtet. Eine erste Galerieausstellung habe ich - noch während ich in Indien war - veröffentlicht. Hier möchte ich die letzte der fünf Ausstellungen aus Mumbai vorstellen.
Schlicht "Reality" titelte die umtriebige Galerie chatterjee & lal die Fotoausstellung des britisch-indischen Schriftstellers Rana Dasgupta  vom 13. März bis 11. April diesen Jahres, galt doch die Fotografie lange Zeit als Medium der Dokumentation von Realität. Diese Vormachtstellung wurde allerdings immer wieder erschüttert, zuletzt durch die gefakten Kriegsfotos aus den Jugoslawienkriegen.
Rana Dasgupta: "Veneration" (Ausschnitt)