Montag, 8. Februar 2016

Kunst aus dem Osten der Republik (2)

Laure Bruce & Heidi Sill im Kunsthaus Erfurt 

 

"Evellyn", Zeichnung von Heidi Sill, 2012
Dem eher selten gezeigten Genre von Zeichnung und Collage widmete sich das Kunsthaus Erfurt mit Heidi Sill und der aus den USA stammenden Künstlerin Laura Bruce -  beide heute in Berlin lebend. Sowohl inhaltlich wie stilistisch gehen die beiden einen Dialog in den ungewöhnlich geschnittenen Räumen des Erfurter Projektraums ein. Laura Bruce's Arbeiten  im Eingang zeichnet zwei Wegbeschreibungen auf und kommt über sie zur Zeichnung, um so dem Betrachter sein eigenes Bild im Kopf entstehen zu lassen. Heidi Sill füllt mit roten und blauen Linien den Binnenraum eines Gesichts aus, das in seiner Ästhetik der Beautyfotografie von Models entlehnt ist.

"Follow the train tracks", Graphit auf Papier von Laura Bruce, 2015
Wunderbar weiche, atmosphärisch dichte Farbstimmungen gelingen Bruce in den beiden folgenden Zeichnungen, während Sill in ihrer Tuschezeichnung "surface matters" der Linie freien Lauf lässt, sie mäandernd über die Fläche zieht und so eine äußerst plastische, gazeartige Struktur entstehen lässt, die einem lose gewebten, fast durchsichtigem Tuch gleicht. Der lockere, wie absichtslos wirkende Zeichenprozess verwandelt sich so fast wie von selbst in sein abgebildetes Sujet - einem gefälteltem Webtuch.   
Zeichnung von Laura Bruce (ohne Werkangaben)

Zeichnung von Laura Bruce (ohne Werkangaben)

aus der Reihe "surface matters", Tuschezeichnung von Heidi Sill, 2011
In ihren kleinformatigen Arbeiten verwenden beide Künstlerinnen vorgefundenes Material, die zu sehr unterschiedlichen Bildwelten führen. Laura Bruce überarbeitet Illustrationen von Edmund Brüning zum Schriftsteller der Romantik Wilhelm Hauffs. Der Faszination für diese typisch deutsche Epoche gibt Bruce Ausdruck in der sehr dezenten, zeichenhaften Übermalung von Brünings Lithografien zum deutschen Liedgut, ebenfalls einem sehr deutschen Phänomen. Die Ausstellung zeigt 14 ihrer 15-teiligen Serie "Nahm Platz auf der Hand", farbige Tuschen auf Laserprints von 2014.

aus ser Serie "Nahm Platz auf der Hand" von Laura Bruce
Sehr viel emotionaler, irgendwie dramatischer und deutlich heutiger empfindet man die Collagen von Heidi Sill. Das Bildgeschehen ist unübersichtlich wie schwer verständliche Träume, die Puzzleteile entstammen voraussichtlich aus Mode- und Lifestyle-Magazinen wie bei den Vorlagen zu ihren Models. 
 
aus der Seire "cut", Collage von Heidi Sill, 2011
Eine schöne Überraschung zum Abschluss der Schau im letzten der Galerieräume ist die Installation "rideau", so viel wie Vorhang. Hier hat Sill mehrere Gardinenstoffe zu einem großen zusammengenäht und damit die Collage ins Räumliche übertragen. Üppig entfaltet diese absurd übertriebene Gardine eine große Sinnlichkeit, die durch die altertümlichen  Gardinenmuster etwas Nostalgisches hat. Etwas von einer vergangenen Zeit weht hier herüber, wo diese noch Bestandteil jeder gutbürgerlichen Einrichtung waren und tritt so noch einmal in Dialog mit den von Laura Bruce bearbeiteten Märchenillustrationen, die im selben Raum hängen.
"rideau", Installation von Heidi Sill





Alle Fotos aus der Ausstellung von Ina Zeuch


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