Montag, 2. Februar 2015

Off to Mumbai

Morgen fliege ich bis 18. März nach Mumbai. Schon immer hat Indien mich für mein künstlerisches Schaffen inspiriert - eine solch gewaltige Bildkultur ist kaum zu überbieten. Die schrillen indischen TV-Telenovelas sind bereits in meine Kunst eingegangen. Außerdem hoffe ich, dort - neben vielem anderem - einige Ausstellungen zeitgenössischer Kunst sehen zu können.

Mittwoch, 28. Januar 2015

Überleben in Johannesburg: Ein Roman von Kgebetli Moele

Umschlag des Romans "Room 207"

Johannesburg in den 90er Jahren: Zum ersten Mal nimmt die schwarze Mehrheit des Landes nach der Abschaffung des Apartheidsystems an der Wahl teil und bringt Mandela und die Partei des ANC an die Macht. Die weiße Minderheit befindet sich auf dem Rückzug. Das ehemals weiße Viertel Hillbrow wird von schwarzen Studenten und Migranten aus ganz Afrika, die den Diktaturen ihres Landes entfliehen, 'erobert'. Für alle zusammen ist dieses Viertel der Ort, wo man sein Glück macht, um als gemachter Mann zu den komfortableren Randbezirken der Stadt zu ziehen und ein Leben in Luxus zu genießen, mindestens aber zu einer geregelten, bürgerlichen Existenz zu kommen. Das ist die Ausgangssituation von "Room 207" des südafrikanischen Autors Kgebetli Moele, der mit Unterstützung des National Arts Council of South Africa seinen ersten Roman veröffentlichte.
Das Einzleappartment mit der Nummer 207 befindet sich in einem ehemaligen Hotel mit einer Security Garde an der ehemaligen Rezeption mitten in Hillbrow. Glückssucher und Bildungshungrige - schwarze Studenten, die endlich Zugang zu den Universitäten haben -  bescheren der einstmals schicken Residenz der Weißen einen Boom, die es binnen kürzester Zeit  zum dicht besiedeltsten Teil Joburgs - auch Sincity - anwachsen lässt. 

Donnerstag, 15. Januar 2015

Warten auf die 4. Ghetto Biennale

 

Foto: Image Gallery 3rd.Ghetto Biennale  
Biennalen sind üblicherweise große Kunstausstellungen mit internationalen Stars und vielen Sponsoren, die alle 2 Jahre stattfinden, bei denen die Kuratoren sich gerne selbst feiern und sich dabei oft mit mehr oder weniger verständlichen Konzepten überbieten. Ihnen geht es meist darum, Thesen darüber abzulassen, wohin die zeitgenössische Kunst steuert und vor allem darüber mit zu bestimmen, welche Richtung sie dafür ausgemacht haben. Schicke Metropolen -   mit unbezahlbaren Mietpreisen in den Zentren wie Miami, São Paulo, Venedig, Sydney, Johannesburg -  die vor allem die Eliten ansprechen, protzen mit viel Metropolenhype oder pittoresken historischen locations. Aber wie geht Ghetto mit Biennale?  2013 gab es - mehr oder weniger unbemerkt - jedenfalls schon die dritte davon, in einem Land, das ein einziges Ghetto ist: in Haiti's Hautpstadt Port-au-Prince.

Freitag, 19. Dezember 2014

Ponte City: Urbane Träume aus Johannesburg

Wie der Eiffelturm das Wahrzeichen von Paris, so ist Ponte City - ein Hochhaus mit 56 Stockwerken und 255 Appartments - das Wahrzeichen von Johannesburg. Die Geschichte des Ponte spiegelt auch einen Teil der Geschichte Südafrikas: 1975 als Appartmenthochhaus für die weiße Mittelschicht erbaut, wurde es nach der Apartheid von afrikanischen Migranten genutzt. Der anschließende Niedergang des Gebäudes aufgrund von Drogenmissbrauch, Prostitution und organisiertem Verbrechen und schließlich der Neubeginn - gaben Anlass zu zahlreichen Labels und bildeten eine Basis der von vielen Weißen bereits liebgewonnenen Vorstellungen über ein kriminelles Südafrika nach der Apartheid.
Portätfotos von Mietern des Ponte von Mikhael Subotzky/Patrick Waterhouse
"Zimmer frei in der Hölle" (Süddeutschen Zeitung) oder "Im  bösesten Hochhaus der Welt" (Die Welt), aber auch der Wandel von Ponte nimmt immer Bezug auf die kriminelle Phase seiner Geschichte. Erstaunlich, wie sehr Verbrechen thematisiert werden, wenn sie nur fassbar in einem einzigen Gebäude versammelt sind, während die Verbrechen einer ganzen Ära wie der Apartheid weit weniger medienträchtig zu sein scheinen.

Montag, 8. Dezember 2014

Elend in Pink - Kriegsbilder aus dem Kongo als 'ekstatische Wahrheit'

Man stelle sich einmal vor, ein afrikanischer Videokünstler wäre in den Bürgerkrieg Jugoslawiens gezogen, um dort viel aus fahrenden Autos heraus wirres Kriegsgeschehen, Tote und  verzweifelte Menschen in überfüllten Flüchtlingscamps oder Massengräber und sterbende Kinder abzufilmen. Und er hätte diese Szenarien in Infrarot gefilmt und die Vegetation wäre nicht mehr grün, sondern pink und damit neben allem Elend auch ein prächtiger Farbstreifen, eben Kunst. Und damit wäre er dann auf eine der renommiertesten Biennalen Afrikas eingeladen worden und hätte nach dieser Schau obendrauf von einem großen Finanzdienstleister einen Fotopreis erhalten. Das wäre dann das Europabild der Afrikaner oder zumindest ihrer Eliten, eben jenen, die solche Biennalen in Afrika besuchen.
Foto von Richard Mosse aus der Ausstellung "The Enclave"

Samstag, 29. November 2014

Grüße aus der Hölle: Fotos zum Desaster der Erdölförderung im Nigerdelta

Eine Ausstellung zum Desaster der Erdölförderung im Nigerdelta

Nicht wir leben in der Hölle, sondern die anderen. Aber was wir damit zu tun haben, zeigt eine Freiburger Ausstellung noch bis zum 25. Januar 2015: "Letzte Ölung Nigerdelta" ist der befremdliche Titel im Freiburger Museum Natur und Mensch, die vom Staatlichen Museum für Völkerkunde München ausgerichtet und nun von den Freiburgern übernommen wurde.
Noch befremdlicher ist das Ausstellungsplakat. Im strahlend rotblau-gemusterten Kaftan  steht ein Mann im Mittelgrund des Bildes mit einer ebenso strahlend kobaltblauen Plastikschüssel mit Wasser darin. In einer theatralisch wirkenden Geste wäscht er sich das Gesicht, die Tropfen hängen eingefroren wie kostbare Perlen in der Luft. Hinter ihm eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Landschaft mit Resten von Zivilisation - es könnte die Inszenierung eines zeitgenössischen Theaterstücks über den Weltuntergang sein. "Das Drama der Erdölförderung in zeitgenössischen Fotografien" heißt die Ausstellung im Untertitel und das Foto auf dem Plakat ist von Akintune Akinleye, Mitkurator der Ausstellung. Es ist am Tag nach einer Pipeline-Explosion am 26. Dezember 2006 entstanden, bei dem in einem Vorort von Lagos mindestens 269 Menschen verbrannten. Der Mann hatte beim Löschen des Feuers geholfen und wäscht sich nun den Ruß vom Gesicht.

Sonntag, 9. November 2014

Tinga-Tinga: Die Produktion eines Labels

Tingatinga ist der Name eines tansanischen Künstlers, der in den 1960er Jahren auf der Suche nach einem Einkommen in die Hauptstadt nach Dar es Salaam zog. Als Arbeitsloser bezog er im europäischen Viertel Oysterbay vor dem Morogoro-Supermarkt Quartier und begann aus Resten von Hartfaserplatten und Fahrradlacken Bilder zu malen und diese an die europäischen Residents zu verkaufen. Diese verhalfen seiner Malerei schließlich auch zum Durchbruch. 1971 organisierten skandinavische Entwicklungshelfer - eingebettet in eine internationale Handelsmesse in Dar es Salaam - eine umfangreiche Werkschau des Künstlers. Damit begann der Aufstieg dieser Malerei, die noch zu Lebzeiten des Künstlers viele Nachfolger fand, wie sie in der Ausstellung im Leipziger Grassi-Museum "Schneemann im Quadrat - Zeitgenössische Kunst Ostafrikas & African Tales von Maix Mayer" dokumentiert ist.
Bild des Voodookstünstlers Cyprien Tokoudagba : "Gott des Waldes"