Freitag, 28. Februar 2020

Kunstszene Shanghai (3): Do you Copy

"Do You Copy" - absichtlich ohne Fragezeichen - so hieß die ambitionierte Gruppenausstellung im MoCA Museum of Contemporary Art, die bis 5. Januar 2020 zu sehen war.  An ihr nahmen 14 KünstlerInnen, zwei Künstlerteams und das Fashion Department der School of Design der East China Normal University mit Sitz in Shanghai teil und warb mit einem Plakat, auf dem ein prächtiges Blumenbouquet in den Weltraum schwebt.
Ausstellungsplakat
Do You Copy sollte laut dem Intro auf der Webseite des MoCA von den Ausstellungsbesuchern selbst beantwortet werden: "Do You Copy? If you did, please answer!" und wurde mit einer weiteren Frage verknüpft: "Do you come from Heaven or rise from the Abyss?"

Samstag, 8. Februar 2020

Kunstszene Shanghai (2): Lu Lei in der ShanghArt Gallery


Die Räume der ShanghArt Gallery erfüllen alle Kriterien des klassischen white cube: Groß, strahlend weiß und lichtdurchflutet, zudem mit einer eigenen Bibliothek ausgestattet, die über viele ihrer Ausstellungen Kataloge aufweist und dort auch einige Originale anbieten für diejenigen, die sich große Formate nicht leisten können. Sie ist eine der zahlreichen Galerien im Westbund Art Center - so nennt sich das ehemalige Industriegelände ganz im Südwesten Shanghais - das mit spektakulären, noch im Bau befindlichen Architekturen rasant weiter umstrukturiert wird.

Lu Lei, ein Künstler, der raumgreifende Installationen und Objekte erschafft, stellt hier noch  bis 16. Februar 2020 sein Projekt "Wander Giant" aus, an dem er vier Jahre gearbeitet hat. Das glaubt man sofort, denn schon der erste Raum der Galerie ist besetzt von Bruchstücken eines zertrümmerten Universums.

Lu Lei: "Wander Giant"

Sonntag, 19. Januar 2020

Kunstszene Shanghai (1): Malerei aus Japan in der OTA-Galerie

"Stories Told Tomorrow" nennt die japanische Malerin Tomoko Kashiki zusammen mit der Galeristin ihre Ausstellung von überwiegend großformatigen Bildern. Die OTA Fine Arts Galerie, 1994 in Tokyo gegründet, hat ihre Dependance in Shanghai erst 2017 eröffnet. Tomoko Kashiki wird hier zum ersten Mal in einer Soloausstellung gezeigt.

Im Gegensatz zur Größe vieler Bilder sind die Sujets der Künstlerin zumeist aus der Alltagwelt, oft geradezu banal - aber aufgeladen mit einer kryptischen, traumartigen Atmosphäre.

"My Favorite Green Dress", Acryl, Kieselerde, Sand auf Leinwand, 2018/19

Dienstag, 31. Dezember 2019

Happy Birthday, Zhou Hong! Eine Retrospektive im Kunstmuseum von Wuhan

Glück muss man haben! Pünktlich zur Eröffnung der Restrospektive von Zhou Hong anlässlich seines 60. Geburtstages besuchen wir zufällig das Museum für  zeitgenössische Kunst in Wuhan, einer 8-Millionen Metropole am Yangtse Fluss in Südchina.

Freitag, 13. Dezember 2019

Das Memorial Museum in Nanking - Erinnerungskultur in China

Heute vor 82 Jahren  - am 13. Dezember 1937 - wurden in Nanking schätzungsweise 300.000 Chinesen von japanischen Soldaten ermordet.

Eingang zum Memorial Museum in Nanking
An diesem Tag rückten die japanischen Truppen in Nanking ein. Seit 1932 hielt die Kaiserlich Japanische Armee Teile Chinas besetzt. Der anhaltende Widerstand der Chinesen weckte die  Rachegelüste der japanischen Besatzer. Mit dem Massaker an den Chinesen in Nanking wollten sie ein Exempel statuieren, zu dem sie sich in jeder Hinsicht als überlegene Herrenmenschen im Recht fühlten. 

Freitag, 2. August 2019

Über die verlorenen Kämpfe befreiter Sklaven - ein Roman von Syl Cheney Coker

Freetown heißt die Hauptstadt von Sierra Leone – ein Name, der Hoffnung und Sehnsucht nach Freiheit verrät, vom Aufbruch befreiter Sklaven kündet, die nach Afrika zurückkehrten in die langersehnte Selbstbestimmung. Aber wie war es wirklich?

Wie immer gibt es davon wenig Selbstzeugnisse - weder von den persönlichen Schicksalen der circa 11 Millionen verschleppten Afrikaner und noch weniger über ihr Leben als befreite Sklaven, das sie durch harte niedere Arbeiten in unterprivilegierter Stellung fristeten.
Schüler der Wesleyan High School, Sierra Leone. Quelle: The Sierra Leone Web
In seinem Roman "Der Nubier" verfolgt Syl Cheney-Coker die Geschichte des fiktiven Orts Malagueta über knapp 200 Jahre. Cheney-Coker beschreibt das Leben der Rückkehrer, die mit einem selbst finanzierten Schiff von Kanada ins ‚gelobte Land‘ übersetzen und dort siedeln. Der Roman mit dem weit weniger klischeehaften Titel "The Last Harmattan of Alusine Dunbar" erschien 1990 in deutscher Sprache.

Freitag, 31. Mai 2019

Es gibt nichts Gutes außer man tut es oder die Jungs von Comet ME

Wir sind auf dem Rückweg von Massafr Yatta, wörtlich: das Hinterland von Yatta. Yatta liegt in den südlichen Hebronhügeln rund 35 Km von Hebron entfernt. 

Massafr Yatta liegt ganz im Süden des Westjordanlandes und ist seit den 1980er Jahren militärisches Sperrgebiet der israelischen Armee (Israeli Defense Forces IDF) -  Firingzone 918 - im südlichsten Teil des seit 1967 besetzten Westjordanlandes. Dort haben wir einen frisch aus der Haft entlassenen palästinensischen Schafhirten besucht, der einen israelischen Siedler mit seinem Hirtenstock verletzt hat, um sich gegen die Drangsalierung und Vertreibungsversuche von seinem Land durch israelische Siedler zu wehren. Dafür hatte er 7 Monate Haft bekommen und muss eine hohe Entschädigung für den Siedler bezahlen.

Besuch bei Mohammed in Massafr Yatta