Donnerstag, 10. Februar 2011

Der Hyperkulturraum: Kritische Töne in der Rezeption zeitgenössicher Kunst

Der Kunstraum Kreuzberg/Bethanien in Berlin zeigt indonesische zusammen mit deutschen und holländischen Künstlern unter dem Titel  "ID – Contemporary Art Indonesia". Bilder davon sind im online-Kunstmagazin Nafas zu sehen. Nafas ist ein gemeinsames Projekt  des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) und Universes in Universe (UiU).

Ein dvarapala Wächter in Singosari, Ost-Java.
"An Antique Idol of the Hindoo Period, Near Malang, Java."
Wikimedia
In ihrem Online-Auftritt lässt die ifa-Galerie diese Ausstellunge von Christina Schott (freie Südostasienkorrespondentin) besprechen.Von ihr stammen auch die Zitate im Text.


Lange Zeit prasselten im Rahmen internationaler Ausstellungen und Projekte eine Reihe von Lieblingsschlagworten wie Mantras auf den Kunstrezipienten ein: zum Beispiel das von der Weltsprache der Kunst oder der interkulturellen Kunst von zeitgenössichen Künstlern, die weltweit von ähnlichen Fragestellungen umgetrieben werden - allen voran von der zentralen Suche nach Identität, gerne auch im Kontext der Globalisierung und ihren sozialen Verwerfungen. Die Künstler, die von solchen Fragen nicht berührt werden und offensichtlich 'einfach nur so' Kunst machen, sind damit irgendwie nicht so zeitgenössiche Künstler und scheinen in einer Art Paralleluniversum zu existieren.

Auch hier wird - schon wegen des Titels der Ausstellung - der Begriff von Identität bemüht. Aber es tauchen hier zum ersten Mal auch erfreulich kritische Töne zum Geschehen des global market in Sachen Kunst auf:
"Als einige fortschrittlichere Kuratoren im Zuge der Globalisierung erkannten, dass zeitgenössische Kunst auch in Ländern wie Indonesien eine Rolle spielt, tauchten immer öfter Werke indonesischer Künstler in europäischen Ausstellungen auf. Dabei handelt es sich jedoch meist um dieselben, international bereits erfolgreichen Künstler. Mit einer solchen Auswahl verbrennt sich kein Kurator die Finger, weil die Werke in der Regel schon an den globalisierten Geschmack der Kunstwelt angepasst sind und somit eher dem westlichen Verständnis entsprechen."

oder:
"Die vielfältigen Kulturformen sollten gleichwertig nebeneinander existieren, ohne sich in ein übergeordnetes System einzufügen, und sprengen somit die Grenzen einer vereinheitlichenden Vorstellung vom multikulturellen Austausch."
Der enorme Überbau, der den Spagat von internationalen Künstlern - deren Nationalität aber oft wie eine Trophäe herausgehoben wird - und die Betonung der Authentizität scheint auf die Dauer doch schwer verdaulich. Vielleicht ist es auch einfach die Ödnis, die sich breit macht, wenn man mit dem ewig gleichen Begriffsapparat in immer als brisant und zeitgenössisch angepriesenenen Kunstshows von mehr oder minder bekannten Künstlern hantieren muss. Künstler, die alle immer gleich gut, aber immer auch kontrovers und kritisch am Puls der Zeit agieren, geradezu in Echtzeit. Statt des aufgeregten Hypes schleicht sich da schon mal ein Déja-vu Gefühl ein. Dem trägt die Ausstellungsbesprechung voll und ganz Rechnung und führt zudem noch den ironischen Begriff des "Hyperkulturaums" ein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen