Montag, 16. Mai 2022

Einfach Luft: Eine Ausstellung zum Element Luft im Kunstmuseum Bonn

"Welt in der Schwebe - Luft als künstlerisches Material" nennt das Kunstmuseum Bonn seine aktuelle Ausstellung, die noch bis zum 22. Juni zu sehen ist.

Gleich am Eingang der Schau wird man von der raumgreifenden Installation der aufblasbaren Skulpturen von Otto Piene überwältigt. In den schrillen  Farben von lila, gelb, rot und grün wiegen sich die raumhohen "Langen Stars", wie der Künstler sie nennt, mit ihren spitzen Sternformen durch den von den Besucher:innen erzeugten Lufthauch hin und her. 

Otto Piene: "Langen Stars", Spinnakertuch, Gebläse, Zeitschaltuhr, 2014

Sonntag, 10. April 2022

Schwindende Unterstützung für Flüchtlinge auf der Balkanroute

Wir treffen Abdul und Azim auf einer Decke auf dem kärglichen Rasen vor der Farm in Horgoš. Der Ort liegt 60 Kilometer von Ungarn im Dreiländereck von Serbien, Rumänien und Ungarn. Dort versuchen, viele Menschen auf der Flucht, über die Grenze in die EU nach Kroatien zu gelangen. Aber für Abdul ist seine Flucht hier zu Ende: Er will zurück nach Afghanistan. Heimweh, Geldmangel und die aussichtslose Lage, Arbeit für die Weiterfahrt nach Österreich zu finden, haben ihn zermürbt.

Sehnsucht nach einem Ende der Flucht: Graffiti in Horgoš

Sonntag, 2. Januar 2022

Das Bernsteinzimmer - ein Mythos und seine Transformation in Kunst

Mit dem Titel "Warum ist nicht alles schon verschwunden?" stellt das Kunstmuseum Bochum eine Gruppenausstellung zusammen, die prominent mit der Installation von Ingeborg Lüscher ihres Bernsteinzimmers wirbt. Zu Recht: Denn sie ist bei weitem der interessanteste Beitrag dieser teils sehr bemühten Schau um das Verschwundene. 

"Die Ausstellung", so in der Ankündigung auf der Webseite des Kunstmuseums "vereint Werke verschiedener Künstlerinnen mit unterschiedlichen Hintergründen, die ein assoziatives Netz aus Fragmentierung, Zeitdimensionen, Gewalt und Verwandlung bilden. Ihre Arbeiten bauen einen semi-fiktionalen Raum auf, ohne dabei zu versuchen, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen."

"Das Bernsteinzimmer" - Installation von Ingeborg Lüscher

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Wilde Camps, Polizeigewalt und brutale Pushbacks entlang der Balkanroute

Flüchtlingsarbeit in Bosnien: Eine Reise mit SOS Balkanroute

"Ins game gehen", so nennen die Geflüchteten ihre riskante Reise, wenn sie zu Fuß über die Grenze von Bosnien nach Kroatien aufbrechen. Wer dabei geschnappt wird, erleidet traumatisierende Gewalt. Viele Geflüchtete erzählen davon, wie sie brutal zusammengeschlagen wurden. Sie kehren mit nichts außer ihren Kleidern am Leib zurück. Rucksäcke und alle ihre Wertsachen und ihr Geld, das sie sich für ihre Flucht besorgt haben, werden ihnen abgenommen. Vor allem werden ihre Handys vor ihren Augen mit Fußtritten zerstört.  

Wildes Camp in Velika Kladusa mit circa 300 Menschen aus Afghanistan

Samstag, 9. Oktober 2021

Die Last der Vergangenheit - eine Ausstellung in der National Art Gallery Tirana

Wie umgehen mit dem sozialistischen Erbe, überwiegend propagandistische Auftragskunst, die in den opulenten Sammlungen vieler Museen in Südost- und Osteuropa  gespeichert ist? Ein Kuratorenteam der Art Gallery in Tirana, Hauptstadt Albaniens, hat dazu ihre Bestände in ganz neue Zusammenhänge gestellt und zwei sehr unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und sie mit "Tirana Patience" und "Open Archive" betitelt. 

Ausstellungsplakat

Montag, 27. September 2021

Saki – Ein Geflüchteter aus Marokko als Fußballtalent in Bosnien

Ich lerne Saki im Tageszentrum von Sarajevo, dem World Travelers Center kennen, das von Sanela Klepic ins Leben gerufen wurde. Das WTC ist auch auf Facebook zu finden.


Hier können sich Geflüchtete aufhalten, sich informieren, ins Internet gehen und zwei Mal in der Woche am Englischunterricht teilnehmen. Ziel dieses Zentrums ist es, Geflüchtete auszubilden und sie innerhalb eines Jahres zu legalisieren. Saki ist einer der wenigen, die sich ernsthaft darauf eingelassen haben und sich erst einmal nicht weiter auf die Flucht zu begeben oder an zeitlich begrenzte Aufenthaltspapiere zu kommen, um dann letztendlich doch abgeschoben zu werden. Er möchte sich zunächst einmal qualifizieren und durch eine Ausbildung oder durch die Ausübung eines Jobs an einen erfolgreichen Asylantrag anknüpfen.  Die Leiterin vom WTC, die auch Gästezimmer für Touristen anbietet, um eine ökonomische Basis für den Unterhalt des Tageszentrums zu schaffen, möchte das auch mit anderen Geflüchteten aufbauen. Ob dieses Konzept aufgeht, muss sich noch erweisen. Einen Kontakt zu einem engagierten Rechtsanwalt hat sie bereits gefunden.

"Das Spiel mit den vorübergehenden Aufenthaltspapieren mit weiteren Anträgen, Kosten für Rechtsberatung, Dolmetschern etc. ist ja nur ein Aufschub, ein fake für ein angeblich faires Verfahren. Fast alle enden bisher mit den Deportationspapieren", berichtet Sanela. "Dieses Spiel führt zu nichts. Deshalb haben wir uns einen anderen Weg überlegt." Mit Saki hat sie bisher den erfolgreichsten, weil ambitioniertesten Kandidaten für dieses Experiment gefunden.

Saki mit Sanela Klepic im Tageszentrum von Sarajevo

Ina Zeuch (IZ.): Was hat dich bewogen, dein Land, deine Familie und deine Freunde zu verlassen und dich auf die Flucht zu begeben?

Mittwoch, 21. April 2021

"Roter Mohn" - ein Roman von Alai aus dem finsteren Tibet

"Roter Mohn" ist der erste Roman des Schriftstellers Alai von 1998, der zunächst Gedichte und Erzählungen in der Zeitschrift "Tibetische Literatur" veröffentlichte.  Auch "Roter Mohn" spielt in Tibet Anfang des 20.Jahrhunderts, im äußersten Osten des Reiches im Grenzgebiet zu China. Dabei vemiest Alai jedem Tibetromantiker gründlich die Vorstellung von einem Garten Eden in den Bergen des Himmalaya. 

Denn die feudalistischen Verhältnisse, die Alai mit den Augen des Ich-Erzählers - Sohn des Fürsten Maichi -  beschreibt, werden ungeschminkt und vermeintlich naiv festgehalten.